3. INNENAUSBAU IN KANADA

Oktober 2017 – März 2018

Mr. Bushi´s (Mitsubishi Delica 300/L400) neuer Innenausbau, Teil 3. Eine Odyssee der Moderne.

Rückblende:

Mein Arbeitsvisum für Kanada erlaubte mir endlich einen notwendigen Zuverdienst, in Verbindung mit einem Leben an der monsunartigen Sunshine Coast in British Columbia. Hier arbeitete ich als Tischler bei einem Yachthersteller und genoss eine Ausbildung allererste Güte.

Ich startete mit Null Erfahrung in der professionellen Holzverarbeitung, obwohl mein Ego deutlich größer war, und stoß sehr schnell an meine Grenzen. Genau einen Tag später. Doch nachdem ich etwas Vertrauen zu meinem Vorarbeiter aufbauen konnte, fragte ich ihn, ob es möglich wäre, nach der Arbeit und am Wochenende das ein oder andere Teil für meinen Innenausbau selbst zu fertigen. Er stimmte zu.

Die zweite Umgestaltung des Innenraums in Malaysia war der Anstoß zu etwas Größerem in Kanada. Mir gefiel die Möglichkeit des Kochens bei geschlossenen Türen, das Weiß und alles innerhalb des Fahrzeugs zu Wissen, ohne ständiges Aussteigen.

Was mir nicht gefiel war die Qualität der Materialien aus Asien. Der 1 Jahr alte Fußboden wellte, die Schubladenauszüge verbogen sich und die Schrauben hielten das Holz nicht mehr in Position. Ohnehin war der Schuhkartonmäßige Charakter der ersten Holzkonstruktion aus Rostock, wie ihn Tausende L300 Besitzer nutzen, nicht mehr mein Fall. Es dauerte nicht lange um mich für eine Komplettüberholung zu begeistern. Mein Job bot mir ja schlichtweg alles Nötige: Holz, Werkzeuge und vor allem Wissen!

Viel besser, es war alles kostenlos! Denn jeden Tag nach Feierabend sah ich den sich ständig füllenden Container mit Holzresten aus dem Yachtbau. So viele ungenutzte Ressourcen. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und sammelte über die nächsten Monate alle brauchbaren Teile für mich heraus. Ein neuer Innenausbau basierend auf Müll – los gings.

Der Prozess:

Die letzten Jahre verbrachte ich sitzend auf dem Motor, mit den geklappten Frontsitzen als Rückenlehne, mit Blick auf das innere Heck Mr. Bushi´s.

Während mir draußen eine wunderschöne Landschaft zu Füßen lag, entfaltete sich direkt vor mir eine große Holzbox. Praktisch aber nicht sehr wohnlich. Zudem nervte mich beim Genießen des Ausblicks durch das Schiebetürfenster der Türrahmen in Augenhöhe. Ein ständiges Ducken war die Folge.

Meine Planung ging also ansatzweise in die Richtung des klassischen Westfalia Ausbaus von VW:

  1. Der Bereich der Schiebetüren sollte frei bleiben, zum Klamotten wechseln, Kochen, etc.
  2. Der Stauraum sollte die derzeitigen Maße nicht überschreiten
  3. Ich wollte wieder ein klappbares Bett, da der Mitsubishi leider zu kurz ist für ein Permanentes
  4. Eine Küchenzeile war bislang nicht vorhanden, eine Spüle musste her (insbesondere zum Verstecken von schmutzigem Geschirr)
  5. Der Kocher sollte endlich waagerecht statt vertikal stehen
  6. Eine neue kleinere Kühlbox tut es auch, dafür mehr Wasser im Heck
  7. Eine Sitzbank für mehr Komfort, mit dem Blick nach vorne durch die Frontscheibe und Seitenfenster

Keine Kosten sollten mir bei dem neuen Innenausbau entstehen, denn Mr. Bushi, wie sich später herausstellen wird, erzeugt in der Zukunft noch ungeahnte finanzielle Probleme. Als ein großer Fan von Recycling hoffte ich deshalb einiges des bereits verbauten Holzes wiederverwenden zu können. Jedoch hatten wir unseren ersten Ausbau in Rostock zu gut verarbeitet. So blieb mir letzten Endes nur der Hammer, um alte Erinnerungen gänzlich zu vernichten.

Da ich nur Multiplexplatten verwenden konnte, welche sich als Müll anboten, basiert fast der gesamte tragende Ausbau auf 12mm Stärke. Die Sitz- und Deckplatte misst 15mm. Multiplexplatten sind in Kanada bei weitem nicht so gut verarbeitet wie in Europa. Daher würde ich daheim eher zu 9 bzw. 12 mm Platten raten.

Wo immer es ging habe ich Material aus den Vollplatten herausgenommen. Im Grunde sieht die Platte dann wie ein „U“ aus. Die Stabilität bleibt gewahrt und Gewicht gespart.

Alle Kontaktflächen bzw. aufeinander treffenden Kanten wurden mit Nuten versehen. Dadurch erhält die Konstruktion, wie ein Stecksystem, Stabilität, wird später mit Konstruktionskleber verbunden und teils zusätzlich verschraubt. Ein Knarzen wird man in meinem Auto vergeblich suchen!

Das Zuschneiden der Einzelteile gestaltete sich leider schwieriger als gedacht, da mein Vorarbeiter von seinem ursprünglichen Angebot, einer täglichen Nutzung der Geräte von mir, abwich und dieses fast ausschließlich auf das Wochenende begrenzte. Jeder Tag bestand somit aus regulärer Arbeit, gefolgt von einer Stunde messen und zuschneiden. Dann nahm ich das Teil mit nach Hause, schaute ob es passte und markierte notwendige Korrekturen für den folgenden Tag. Wochenlang.

Das Finale:

An Weihnachten 2017, während alle Familien zusammensaßen, modellierte ich erstmals den gesamten Innenausbau in Mr. Bushi. Null Grad Aussentemperatur, ein zufriedener Thomas und ein kleines Häuschen, das zur Werkstatt mutierte.

Kurz vor Silvester 2017 hatte ich endlich die Grundkonstruktion komplett im Auto verbaut und zog mit meinem gesamten Krempel zu Peter. Dort finalisierte ich die Deckplatte, Rückenlehne und Sitzbank.

Alle Schrauben wurden gesetzt, das Holz geschliffen und gestrichen.

Ursprünglich wollte ich die Rückenlehne gerne als Auflagefläche für das ausgezogene Bett nutzen. Musste jedoch, nach der Fertigstellung mit Zähneknirschen feststellen, dass die C-Säule Mr. Bushi´s, aufgrund der etwas runden Form, ein Herausziehen der Rückenlehne fast unmöglich machte.

Die Bettkonstruktion basiert daher wieder auf meinen alten Schwerlast-Auszügen aus Deutschland. Versteckt in den Armlehnen der Sitzbank und der Mitte des Ausbaus werden sie Nachts einfach herausgezogen. Eine in der Matratze gelagerte Holzplatte wird darauf ausgeklappt, faltbare Matratze drüber, fertig. Hört sich vielleicht kompliziert an, dauert aber nur 2 Minuten. Grundsolide. 120 x 190cm. Wenn ich dann noch das neue Popdach öffne, schlafe ich direkt unter dem Sternehimmel.

Die Küchenzeile ist einfach gehalten. Direkt neben der Sitzbank befindet sich mein verbauter Waeco Kühlschrank. Für die Luftansaugung habe ich ein großzügiges Loch in die Wand zur Tür geschnitten. Für die Abluft wurde die Wand Richtung Schublade, die Schubladenseitenwand selbst und die Lehne in der Sitzbank ausgesägt. Durch diesen Kaminzug sollte ich keine Hitzeprobleme haben und visuell deutet nichts auf eine Kühlbox hin.

In greifbarer Nähe ist ausserdem ein flexibles Schränkchen mit 4 Flügelmuttern, zur Befestigung am Boden, verbaut. Im oberen Teil  befindet sich meine herausnehmbare Spüle. Ich wollte kein Loch in Mr. Bushi bohren, sodass ich nun die Spüle immer aus dem Fenster entleere. Mir reicht´s. Gewässert wird mit einem handelsüblichen Gartenschlauch und einem Duschkopf mit verschiedenen Einstellungen. Kann bei geöffneter Schiebetür auch wunderbar als Dusche genutzt werden!

Des Weiteren finden darin der Kocher, wenn er nicht genutzt wird, und mein Frühstücksbuffet ihren Platz. Das gesamte Hartholz ist echtes Teak. Die klappbaren Deckenplatten wurden hauchdünn auf Multiplexplatten geklebt, mit Holzleisten versehen und dann zurechtgeschliffen.

Genauso wie mein Tischchen, welches aus einzelnen geklebten Holzstücken besteht.

Der Fußboden besteht nur im Eingangsbereich aus echtem Teak. Der Rest ist Vinyl. Ich habe dabei mehrere Stück verklebt und zurechtgeschliffen. Gerade als ich fertig war und mich mit einer Lösung der Kantenkaschierung beschäftigte, rutschte mir ein Werkzeug aus und verschaffte mir einen ganzen Tag Arbeit, um das wieder auszubügeln.

Ein i-Tüpfelchen fehlte noch und so schneiderte mir meine liebe Olga in Deutschland noch ein paar neue Bezüge für die Sitzbank. Endlich eine frische, helle und positive Atmosphäre.

Operation „Grünsein“ geglückt. Danke.

 


 

Wer Fragen, Anregungen oder andere Meinungen bzw. Erfahrungen hat, der behält sie natürlich nicht für sich, sondern hinterlässt mir einen Kommentar. Ich freue mich über wirklich jede Nachricht. Ansonsten könnt ihr mir immer eine Email schreiben an tomplz30@yahoo.de oder mich per skype erreichen unter el_fuerte1.

Hier findest Du weitere Links zu Mr. Bushi und mir.
Hier findest Du Infos zu meiner Reise.
Hier findest Du meine Packliste

 

Dir gefallen meine Berichte und du weißt meine arbeitsintensive Internetseite mit den hilfreichen Informationen zu schätzen? Dann freue ich mich über Deine Unterstützung.

  1. Klicke bitte auf ein Produkt aus meiner Packliste . Ein anschließender Kauf ist sicher gut aber nicht notwendig. Ein Klick ist besser als gar keiner und tut nicht weh!
  2. Finanzielle Untersützung wäre natürlich wunderbar, bitte nutze dafür Paypal – hab vielen Dank!

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.