17.8. VANCOUVER ISLAND

Mein letzter Eintrag zum Thema Sehenswürdigkeiten auf dieser, unseren kleinen Weltreise datiert irgendwo um den April 2018. Es wird Zeit für frisches Bildmaterial. Damals war ich in Kanada und nach einem kleinen Gastspiel in Deutschland bin ich es jetzt wieder. Echt? Doch der Reihe nach.

Erstmal machst Du die richtige Musik zu meinem Bericht an. Du kennst sicher John Hopkins noch nicht. Kein Problem. Er ist keine namenhafte Größe wie Hans Zimmer, dennoch sind seine Filmmusik Kompositionen überragend schön und Wert ihn hier vorzustellen. John Hopkins – Circle.

Im besagten April ging es für mich zunächst von der Sunshine Coast und Peter nach Abbotsford zu Cameron und Susan aufs Festland. Die Gründe dafür waren zum Einen die Beendigung meiner Arbeitsstelle als Tischler in Gibsons, zum Anderen der zweite traurige Höhepunkt der Reise:

Mr. Bushi´s Totalschaden

Auf der Heimfahrt, an einem meiner letzten Arbeitstage, blieb er das erste Mal komplett liegen. Zylinder Nummer 4 hatte sich verabschiedet, war voll mit einer Wasser-Benzin-Mischung und zündete nicht mehr. Das wars. Vermutlich Zylinderkopfschaden oder gar schlimmer. In diesem Moment wurde mir erst richtig bewußt, dass meine Reise einzig auf Mr. Bushi´s Überleben basierte. Ein Gefühl der Abhängigkeit und Hilflosigkeit machte sich breit. Ich war verzweifelt.

Am gleichen Abend hatte Peter seine Freunde für ein Lagerfeuer und eine Party eingeladen. Er versuchte meine Situation zu retten, ich dagegen war nur ein kurzzeitiger Gast, trank 3 Bier plus Spaßzigarette und war so fertig mit den Nerven, dass ich, bevor es überhaupt losging, schon eingeschlafen war.

Doch um den Schaden, nicht an mir sondern Mr. Bushi, überhaupt beurteilen zu können, musste dieser 120km zu meinem Kumpel Cameron nach Abbotsford, inklusive einer Fährüberfahrt, geschleppt werden. Die ersten Haarsträubenden Angebote trudelten dazu ein und ich merkte sehr schnell, dass dies die teuerste Reparatur der Reise werden würde. Ohne Beziehungen würde ich hier keinen Blumentopf gewinnen, geschweige denn den Transport halbwegs erschwinglich über die Bühne bringen. So setzte ich große Hoffnungen auf einen alten Bekannten. Ray lebt auch in der Nähe von Abbotsford, war selbst mit seiner Familie um die Welt gereist, und nachdem ich ihm die Sachlage schilderte hatte er sofort Verständnis für meine Situation. Er würde sich nach einem günstigen Abschlepper umhören.

3 Tage später erhielt ich einen Anruf. Der Typ sagte weder seinen Namen noch woher er mich kannte. Nur das er mir helfen würde und sein Angebot statt der normalen 1000 $ nur 450 $ betrug. Ohne Nachzufragen zögerte ich nicht lange und willigte ein. Den nächsten Tag kam der Abschlepper und der Anrufer. Bevor ich mich versah war Mr. Bushi auf der Ladefläche Richtung Festland. Ich konnte mir immer noch keinen Reim darauf machen und fragte den Anrufer wie er auf mich kam, worauf er nur ganz lax erwiderte „Dass Ray in einer Facebook Gruppe meinen Fall gepostet hatte. Naja, jeder Offroad begeisterte in Britisch Columbia kennt Ray und Ray´s Freunden hilft man einfach.“ Ja, das ist Kanada Freunde, unglaublich aber war.

Angekommen in Abbotsford fanden wir heraus, dass es sich tatsächlich nur um eine defekte Zylinderkopfdichtung handelte. Der Zylinderkopf selbst war in Ordnung. Da hatte ich wirklich nochmal Glück gehabt. Nichtsdestotrotz steht bei einer Laufleistung von 350.000km früher oder später sowieso eine Motoreninstandsetzung an. Cameron bot sich an dies zu übernehmen. Kurzerhand fragte er bei den üblichen Händlern notwendige Dichtungen und Ersatzteile an, es schien als wäre alles verfügbar. Wir veranschlagten 4 Wochen für die Überholung des Motorenherzes von Mr. Bushi. Wie so oft, es würde anders kommen …

Deutschland

Aufgrund von familiären Ereignissen entschied ich mich, während der laufenden Reparatur, zu einer kurzfristigen Rückkehr nach Deutschland. Es war die beste Entscheidung seit langer Zeit.

Meine Heimatstadt Rostock erwartete mich mit dem heißesten Sommer meines Lebens. Traumhaft. Sonne, Sand und Meer. Die Nähe der Stadt zum Wasser und seine Vielseitigkeit beeindruckte mich erstmals seit vielen Jahren so sehr, dass ich mich wirklich freuen würde hierher zurückkehren zu dürfen. Ein schönes Gefühl. Denn nach all den Jahren auf Reisen wurde mir erneut bestätigt wie wunderschön der Norden Deutschlands doch ist, was ich vermisse und eigentlich doch schon habe.

Ich fuhr fast jeden Tag mit dem Fahrrad zum Strand, besuchte meine lieben Freunde in ganz Deutschland und war sehr froh über den Schritt, in diesen Momenten, zu meiner Familie zurückgekehrt zu sein. Vielen Dank an meine Eltern für das Dach über dem Kopf & viele gute Essen.

Obwohl ich fast nur draußen unterwegs war, räumte ich die Website ein wenig auf, schenkte dabei besonders Mr. Bushi die bislang vernachlässigte Aufmerksamkeit und beschäftigte mich primär mit den diversen Fahrzeug-Innenausbauten in zwei ausführlichen Berichten. Ehrlich gesagt, das Leben eines Arbeitslosen in Deutschlands Jahrhundertsommer war sehr angenehm. Dennoch wollte ich in jedem Fall schnellstmöglich wieder zurück nach Kanada.

Vancouver Island

Seit Monaten planten Matze und ich einen längeren Trip durch Kanada und die USA. Mr. Bushi belehrte uns eines Besseren. Während Cameron und ich auf die veranschlagten 4 Wochen Motorenüberholung hofften, erwies sich die Teilesituation als so miserabel, dass er bei meiner Rückkehr aus Deutschland 3 Monate später immer noch fertig war. Matze stand schon fast vor der Tür, da erklärte sich Cameron bereit seinen Mitsubishi Pajero zu verleihen. Ich verpasste ihm kurzerhand ein Bett, stopfte alles notwendige Campingmaterial hinein und holte Matze vom Flughafen in Vancouver ab. Unsere Reise ging für die nächsten 4 Wochen nach Vancouver Island.

Die Route führte zunächst entlang der Sunshine Coast hoch nach Powell River.

Sunshine Coast Trail

Dabei änderte sich das Wetter dramatisch und sollte uns von nun an für die nächste Zeit auch die Treue halten. Regen ohne Ende. Die Feuchtigkeit setzte dem Pajero so dermaßen zu, dass das Sonnendach anfing zu Lecken. Das natürlich ausgerechnet über meinem Kopfkissen. Da Dichtungsmittel bei Regen nicht trocknen würden, versuchten wir tagelang eine Folie auf dem Dach zu befestigen, was in seiner Perfektion dann später wie auf dem Foto aussah. Die Geräuschkulisse unter dem flatternden Dach war dementsprechend groß und so tuckerten wir mit nur 50km/h auf dem Highway entlang, freundlich begrüßt mit dem Mittelfinger der überholenden Einheimischen.

3 Fähren später erreichten wir die Insel und fuhren Richtung Cape Scott Provincial Park. Der nördliche Teil ist größtenteils unbesiedelt, bewaldet oder in Indianischem Besitz. Die Anzahl der Straßen daher überschaubar, der Verkehr auch, die wilden Campingplätze umso schöner.

Wer diesen abgelegenen Ort im hohen Nordwesten erreichen möchte, sollte sich auf eine 2 Stündige Schotterpistenfahrt ab Port Hardy einstellen. Dort gibt es dann die Möglichkeit gegen Gebühr direkt am schier endlosen Strand im Zelt zu übernachten, das Auto verbleibt dazu allerdings auf dem 30 min. entfernten Parkplatz. Es ist ebenfalls möglich eine 48km Wanderung auf dem Cape Scott Trail zu unternehmen, welche um den North Coast Trail erweitert werden kann. Leider spielte bei uns das Wetter wieder einmal nicht mit.

Auf unserer Weiterfahrt Richtung Mitte von Vancouver Island stoppten wir immer wieder für kleinere Wanderungen, sahen Wale und Delfine in weiter, sehr weiter Entfernung und genossen das ein oder andere Bierchen direkt am Lagerfeuer.

Doch Vancouver Island ist nicht nur bekannt für seine fast garantierten Walsichtungen sondern auch für die Surfspots und langen Sandstrände der Westküste. Wer demnach in Kanada den Ort Tofino erwähnt, wird sofort auf Begeisterung stoßen und die garantierte Empfehlung erhalten dort unbedingt einen Surfkurs zu absolvieren. Tatsächlich schien bei unserer dortigen Ankunft alles auf das Thema Wasser abzuzielen. Hippe Surfertypen, Organic Cafes und teure Strandhäuschen, kurzum das Sylt der Kanadier.

Auch wenn die unzähligen langen Sandstrände, teilweise in Nebel gehüllt, eine sich ständig ändernde wundervolle Stimmung boten, entschieden wir uns trotzdem für ein paar Wanderungen. 24h im Pacific Rim Nationalpark, egal ob man wandern oder auch nur am Strand parken möchte, kosten 15 $ pro Fahrzeug.

Unser persönliches Highlight zu einem abgestürzten Flugzeug war im wahrsten Sinne eine richtige Matschpartie. Garantiert niemand erreichte ohne dreckige Schuhe das Ziel, aber dafür hatten alle Wanderer einen unglaublichen Spaß daran entweder drumherum oder manchmal hindurch die unzähligen Matschlöcher zu manövrieren.

Da die Campingplätze in dieser Gegend ab 45$ aufwärts kosten, Übernachten die meisten Billigheimer, wie wir, im Wäldchen nebenan. Dort errichteten einige Surfer ganze Zeltburgen, inklusive Wohnwagen, Generator und Wassertanks. Im Sommer leben sie hier angeblich zu Hunderten. Zum Frühstück fahren alle an den Strand, frühes Aufstehen wird daher empfohlen.

Im Südwesten der Insel gibt es ebenfalls sehr schöne und abwechslungsreiche Nationalparks, wobei uns der Juan de Fuca Trail besonders gefiel.

Diesen wollten wir ursprünglich komplett bewandern, da jedoch das Wetter absolut unberechenbar schien, beließen wir es bei etlichen Tageswanderungen und einer Nacht im Zelt am Strand. Die richtige Entscheidung und leider der einzige wirklich warme Tag in unseren 4 gemeinsamen Wochen.

Wie es weiter geht, ob ich in Kanada bleibe oder weiter Richtung Süden reise, erfährst Du im nächsten Bericht.

 

 


Wer Fragen, Anregungen oder andere Meinungen bzw. Erfahrungen hat, der behält sie natürlich nicht für sich, sondern hinterlässt mir einen Kommentar. Ich freue mich über wirklich jede Nachricht. Ansonsten könnt ihr mir immer eine Email schreiben an tomplz30@yahoo.de oder mich per skype erreichen unter el_fuerte1.

Hier findest Du weitere Links zu Mr. Bushi und mir.
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