2. INNENAUSBAU & EIN NEUES DACH

Malaysia, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten … so oder so ähnlich kann man dieses unscheinbare, tropische Fleckchen aus Sicht eines Overlanders am besten beschreiben. Hier gibt es alle erdenklichen Produkte und Handwerke Asiens, vom billigen Plastik-Imitat (mit Made in Germany Aufkleber) über eine 5000 Watt Standklimaanlage für Wohnmobile bis hin zu feinsten Holzarbeiten für das Interieur, alles ist möglich und verfügbar, wenn man denn das nötige Kleingeld mitbringt. Da ich aber dafür bekannt, dass mein Portemonnaie aus Zwiebelleder besteht, beschränkte ich mich nur auf eine effiziente Optimierung meines Innenausbaus.

Das neue Dach

Der Standard-L300-Bus wirkt von außen in der Höhe betrachtet annähernd gleich dem VW T3. Im Innenraum offenbart sich dann dem Betrachter der gravierende Unterschied. Denn das Getriebe, an den innenliegenden Motor angeflanscht, wurde im L300 auf einer Höhe verbaut, wodurch der Fußboden zwangsläufig angehoben werden musste. Hierdurch ergibt sich eine 15cm hohe notwendige Stufe im Eingangsbereich und ein geringeres Volumen für den Wohnbereich. Demzufolge ergibt sich eine innere Stehhöhe, inklusive Fußbodenplatte, in einem Standard-L300-Bus von nur mickrigen 115cm. Das wollte ich nicht länger hinnehmen und hoffte auf die handwerklichen Künste Malaysia´s.

Von der Idee zum Erfolg

In Deutschland kaufte ich mir für diese Reise eine gebrauchte Thule Top Box für 100€ bei ebay. Die Wanne und der Deckel aus ABS Kunststoff sind in der Größe identisch, was später sehr wichtig sein wird. 3 Modelle mit unterschiedlichen Dimensionen stehen zur Auswahl, meine hat beispielsweise die Maße 110cm x 90cm. Die Scharniere sind genietet und können ausgebohrt und wiederverwendet werden, das Schloss funktionierte bei mir leider seit Anfang an nicht. Auf den 45.000km von Rostock nach Malaysia konnte ich keine Schäden feststellen und würde die Qualität daher als gut erachten. Ideal also für mein neues Klappdach!

Wochenlang informierte ich mich zu Pop-Top, Klapp- und Aufstelldächern, versuchte Zeichnungen zu bekommen, sprach mit anderen Campern, durchwühlte elendig lange Foren und gab letztlich die Idee einer halbwegs vorgefertigten Variante auf. In Deutschland gibt es unzählige Modelle von der Stange, in Asien leider gar nichts. Daher zeichnete ich meine eigene Variante eines Aufstelldaches und fuhr 3 potenzielle Werkstätten von Freunden an.

Die Werkstatt meines Vertrauens

Letzten Endes entschied ich mich für das günstigere 150 $ Komplettangebot bei meinem Chinesen Patrick. Seine Burmesischen Arbeiter sind wirklich ehrgeizig und geben sich viel Mühe, dennoch war auch ich permanent am Schwitzen und Überprüfen, dass alles so gebaut wird, wie ich es mir vorgestellt und graphisch festgehalten hatte.

Ich fand meine technischen Zeichnungen jedenfalls unheimlich geil, die Malaysier leider so gar nicht. Niemand konnte damit etwas anfangen, denn absolut niemand arbeitet hier mit solch „aufwendigen“ Zeichnungen, alles wird nach mündlichen Absprachen gebaut. Oft bekommt der Kunde dann ein Ergebnis vorgesetzt, welches er/sie sich eigentlich anders erhofft hatte und absolut nicht dem entspricht was vereinbart wurde. Dann kann der Auftragnehmer sich plötzlich an nichts mehr erinnern und fordert mit einem Lächeln im Gesicht die Zahlung, wenn nicht schon im Voraus beglichen, der „Spezialanfertigung“ ein. Es empfiehlt sich also stets beim Bau dabei zu sein!

Die Sprachbarriere, da außer Patrick leider niemand Englisch sprach, war dabei nicht besonders förderlich. So überzeugte ich die Burmesen mit Eistee und Zigaretten immer wieder von meinen Vorstellungen in Zeichensprache. 3 Tage später war das Dach fertig.

Die Fertigung (alle Galeriebilder können angeklickt und vergrößert werden)

Der Ausschnitt für das neue Aufstelldach entsprach exakt dem Abbild des inneren Alurahmens der oben genannten Thule Dachbox. Es wurden 2 Rahmen gebaut, einer für den Dachträger und einer für das originale Autodach.

Letzteres wurde noch „schnell“ in einer Nacht- und Nebelaktion entsprechend dem Ausschnitt angepasst, wodurch mir leider völlig entging, dass sich die heißen Metallsplitter dabei auf meinen Glasscheiben einbrannten und nun für immer wie kleine Popel daran festkleben. Dann wurde der Rahmen aufgeschweißt und lackiert.

Der zweite Rahmen wurde anschließend mit einer zusätzlichen Trägerplatte auf dem bereits ausgeschnittenen Dachträger verklebt und vernietet. Kein Verschweißen, da Metall und Alu bei Kontakt korrodieren.

Nun hatten wir 2 Rahmen, sowie eine riesen Lücke zwischen Dachträger und Autodach. Umso flexibel in der äußeren Dachhöhe wie möglich zu bleiben, entschied ich mich als Verbindung dessen für lackiertes 2mm Blech zwischen dem Träger und dem Original-Fahrzeugdach. Dieses wurde angepasst mit dem Rahmen des Dachträgers verschweißt. Der untere Teil nur mit dem Autodachrahmen verschraubt und mit Silikon abgedichtet. Somit kann die komplette Dachkonstruktion notfalls wieder abgenommen werden. Zum Beispiel für einen Containertransport oder dem, von der geliebten deutschen Autoindustrie gesteuerten, TÜV.

Als Deckel kommt nun die ehemalige Thule Dach Box zum Einsatz, welche ich in dezentem Grau lackierte. Die dort befestigten Scharniere bohrte ich aus und übernahm sie direkt auf den Dachträgerrahmen, eine zusätzliche Lasche sichert das Dach von innen. Später wurde noch die Isolierung und Moskitogase angeklebt.

Fertig war mein weltweit einmaliges Aufstelldach. Die Stehhöhe beträgt nun statt der Original 115 cm erfreuliche 150cm und kann auf 220 cm im aufklappten Zustand nochmals verbessert werden. Von der vielen frischen Luft gar nicht erst zu sprechen …

Der Innenausbau

Wie in meinem vorherigen Bericht schon erwähnt, war ich von der gewählten Form und Farbe des Innenraums absolut nicht angetan. Veränderung musste her, und zwar dringend.

Das neue Aufstelldach brachte den Stein endlich ins Rollen, um den fürchterlich-grauen Teppich-Dachhimmel rauszureißen. Er wurde mit 2mm Multiplex ersetzt. Glücklicherweise passte die gekaufte Platte in der Breite genau in das Dach von Mr. Bushi. Das Zuschneiden des Loches für das Aufstelldach erwies sich nämlich als riesen Akt. Es stellte sich leider heraus, dass die burmesischen Automechaniker nicht allzu genau gemessen und den Rahmen etwas schief verbaut hatten. Aber damit kann ich leben.

Als nächstes wollte ich die gesamte Küche von der Heckklappe weg in den Innenraum holen. Dazu wurden 2 neue Schubladen im vorderen Bereich erforderlich.

Der defekte Kühlschrank wurde mit einem kleineren Modell Waeco CF 18 ersetzt und ist ab sofort Dank derAuszüge zugänglich. Auch das Trockenfutter bekam eine einfache Schublade, wobei das Geschirr darüber in den noch in Deutschland gekauften grauen Kunststoffboxen verstaut wurde. Alles wurde in einem freundlichen Weiß, wenn auch nicht Overlander-sinnvoll, gestrichen und lackiert. Mir ging es bei diesem Umbau primär um einen Test, ob mir die Variante der Küche im Innenraum besser gefällt, eine optimierte Zweckmäßigkeit und nicht um den perfekten Ausbau. Denn von nun an konnte ich endlich im Auto kochen!

Die Wasserfiltration wurde ebenfalls optimiert. Bisher verwendete ich Aktivkohlefilter, welche ich regelmäßig tauschen musste, und nutze von nun an den Katadyn Combi Keramikfilter. Der Vorteil bei diesem Modell ist, dass der Filter vielfach gereinigt werden kann, somit Kosten spart und die Umwelt schont. Leider ist die Wassermenge ein Witz im Vergleich zu meinem vorherigen System. Aber was ist schon ewig. Verstaut wird er beim Trockenfutter, mit einer langen Zuleitung für maximale Flexibilität.

Meine Hose nach 4 Wochen Auto-Runderneuerung

Fazit: Mehr Stehhöhe, mehr Lebensraum, Kochen bei schlechtem Wetter im Auto, weniger Platz für Lebensmittel, alles muss raus- und wieder reingeschoben werden

 


 

Wer Fragen, Anregungen oder andere Meinungen bzw. Erfahrungen hat, der behält sie natürlich nicht für sich, sondern hinterlässt mir einen Kommentar. Ich freue mich über wirklich jede Nachricht. Ansonsten könnt ihr mir immer eine Email schreiben an tomplz30@yahoo.de oder mich per skype erreichen unter el_fuerte1.

Hier findest Du weitere Links zu Mr. Bushi und mir.
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