17.5. DER JASPER UND BANFF NATIONALPARK

Es gibt diesen einen bestimmten Landstrich in Kanada von dem so ziemlich jeder Kanada-Besucher gleichermaßen schwärmt. Alle kommen sie hierher, garantiert, entweder mit den unzähligen  Tourenanbietern oder weißen Plastikwohnmobilen. Dass Hotels und Campingplätze deshalb für die Sommermonate bereits Monate im Voraus gebucht werden müssen, um trotz des riesen Gebietes überhaupt irgendwo unter zu kommen, nehmen die meisten dafür gerne in Kauf. Die Landschaft sei so unübertroffen schön, überwältigend schroff und kontrastreich, dass man angeblich einfach hier gewesen muss.

Was ist dran an diesem Mythos? Zeit für eine persönliche Bestandsaufnahme. Mr. Bushi und ich im alpinen Hochland von British Columbia und der Provinz Alberta.

Die Musikalische Untermalung kommt heute von "Endlos" aus Niedersachsen. Ihr Song "Renne durch dein Leben" hat zwar von der Beschreibung her nicht allzu viel mit mir zu tun, dafür kommt er glücklicherweise ohne Text aus und ist die perfekte Autofahr-Musik. Also bitte hier den Song öffnen, Link erscheint in neuem Fenster, zurücklehnen und mich durch die Berge begleiten.

Der weltberühmte Jasper Nationalpark liegt idealerweise nur 8 Autostunden von den Flughäfen in  Vancouver bzw. 4 Stunden von Edmonton entfernt und zieht damit vor allem viele (asiatische) ausländische Touristen an. Die Zahlen sprechen für sich. Über 2.35 Millionen Besucher kamen im Jahr 2016 in diese Region. Im gleichen Zeitraum hatte der Kluane Nationalpark im Yukon, in welchem ich meine letzten Wanderungen unternommen hatte, nur 27.000 Gäste. Ein geringfügiger Unterschied.

Doch was macht diese Gegend so besonders? Der Jasper Nationalpark, der dazugehörige Icefields Parkway und Banff Nationalpark sind UNESCO Weltkulturerbe. Eine astrein asphaltierte Straße lotst  die Wohnmobil-Blechlawinen, Reisebusse und Mietwagenbesitzer sicher durch die Landschaft. Vorbei geht es am Berg Edith Cavell, mit 3600m die höchste Erhebung, unendlich vielen kristallklaren Seen, Gletschern und schneebedeckten Bergen bis hin zu den Versorgungsstädten Jasper und Banff. Alles ist gut erschlossen und einfach zu erreichen. Hier trifft die Wildnis Kanadas auf die Moderne, mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Jasper Nationalpark

Auch ich war mit dem Angebot zufrieden, wenn auch gleich meine Ansprüche andere sind. So fand ich am Tag meiner Ankunft ein kostenloses, das Einzige Weit und Breit, ganz passables Plätzchen. An einem idyllischen See mit wenigen Häusern der Luxusklasse lachte mir die Sonne ins Gesicht und die Temperaturen luden zu einem kühlen Dosenbier. Schöner hätte mein Start nicht sein können. Und glaubt mir, wenn ich irgendwann mal einen Haufen Schotter besitze dann findet ihr mich hier wieder! Dann kauf ich das alles! Inklusive See! So!

Naja, bis es soweit ist verbringe ich die Nächte noch mit Mr. Bushi. Das ist, solange die Sonne lacht, auch alles kein Problem, doch das Wetter schlug plötzlich um. Von 20 Grad am Vortag auf 7 Grad und abwechselndem Nieselregen am nächsten Morgen. Schade. Ich nutzte daher die wenigen Wolkenlücken zum Erkunden des Ortes, primär der Bibliothek mit kostenlosem Wifi, und der angrenzenden Sehenswürdigkeiten.

Pyramid Lake

Am zweiten Tag genehmigte ich mir einen Aufenthalt in den Miette Hot Springs. Bei 40 Grad Wasser- und knapp 1 Grad Außentemperatur mit Schneefall genoss ich das soziale enge Zusammensein mit Besuchern verschiedenster Nationen. Größer hätte der Kontrast zu den Liard Springs, die ich bei Vollmond fast alleine genießen konnte, nicht sein können. Doch dafür war der Ausblick dieses Mal unschlagbar.

Die Nächte verbrachte ich an meinem geliebten See, tagsüber war ich ja unterwegs. Obwohl ich so versteckt stand, niemanden stören konnte, kam trotzdem der Ranger am dritten Abend vorbei und wollte mir sofort eine Bußgeld-Verwarnung aufs Auge drücken. Wildes Camping ist im Nationalpark nämlich verboten. Dazu zählen übrigens auch die wenigen Ortschaften, angeblich nicht die Parktaschen am Highway. Gut, das wollte ich klären. Wir tauschten einige Argumente, da ich ein wildes Campieren hier nicht erkennen konnte sondern lediglich einen hungrigen Wandersmann. Und bitte was ist daran falsch sich Essen zu kochen? Wo beginnt überhaupt das Camping? Ich war in guter Stimmung für diese Diskussion und auf seine Argumentation gespannt. Denn eine Verwarnung würde ich nicht akzeptieren, insofern auch keinen Platzverweis. Er sah das leider anders, konnte aber keine eindeutigen Indizien vorweisen und erlaubte mir daher zähneknirschend noch mein Abendbrot zu futtern, dann aber die Fliege zu machen. Der Ranger mit tschechischen Wurzeln zeigte zwar ein bisschen Verständnis für meine Situation aber hatte leider kein Nachsehen. Ich vermute, anhand seiner Andeutungen, dass die reichen Anwohner-Schnösel eben diesen See für sich haben wollten und keine Hippies um sich herum, die im Auto wohnen. Ich übrigens auch nicht.

Da es für mich keine anderen kostenlosen Stellplätze im Umkreis gab, außer teure Campingplätze ab 28€, musste ich 50km aus dem Park herausfahren. Keine große Sache nach der 1500 km Anreise. Interessant und bislang einmalig für mich war, dass der Nationalpark von einem vielbefahrenen Highway durchzogen ist. Normalerweise wird der Verkehr ja auf ein Minimum reduziert, um die Wildnis zu schützen, hier jedoch schieben sich tagtäglich kilometerlange Autokolonnen und Güterzüge an wilden Tieren und einer einmaligen Landschaft vorbei. Dies ist die Versorgungsader der Millionenstädte Vancouver und Edmonton. Eine Sünde, wenn ihr mich fragt. Die Straßen waren voll, die Dörfer auch, also nix wie in die Berge. Das Wetter war wieder perfekt dafür.

Medicine Lake - dieser See verliert über den Winter sein gesamtes Wasser in unterirdischen Kanälen

Meine erste Wanderung auf dem Bald Hills Trail am Maligne See betrug insgesamt 5 Stunden auf 11km mit einem 500m Höhenunterschied. Mein Tip, geht wirklich bis zum Ende, dort hat man die beste Aussicht ganz für sich allein. Das heißt vorbei am ersten sehr steilen Hügel immer dem Pfad des geringsten Wiederstands folgen. Ihr werdet sehen, dass auf dem Rückweg, noch mehrere Steigungen auf Euch warten werden. Alle mit grandiosen Ausblicken. Achtung, es gibt hier Grizzlybären.

Icefields Parkway

Mr. Bushi und ich genossen anschließend unsere Zweisamkeit auf dem Icefields Parkway. Dieser Teil des Nationalparks ist im Grunde ein langer befahrbarer Korridor durch die harsche, schneebedeckte Landschaft, bietet unentwegt Möglichkeiten zum Anhalten, um Fotos zu machen, zu wandern oder einfach die Größe und Schönheit der Bergwelt in sich aufsaugen. Ich könnte hier Wochen verbringen und würde dennoch nicht alles gesehen haben.

Mr. Bushi auf Brautschau ... er ist noch etwas schüchtern, sie ganz in Weiß.

Einer meiner Stops beinhaltete das Columbia Icefield. Dabei handelt es sich um die größte Ansammlung an Eis in den Rocky Mountains, welche durch unglaubliche 8 Gletscher gespeist wird. Es ist gleichzeitig die Hauptattraktion im Herzen des Parks. Denn an dem wohl bekanntesten, und leider extrem schnell schrumpfenden, Athabasca Gletscher werden etliche Touren angeboten.

Ja und was ist daran so besonders? Zum Einen werden Gletscherwanderungen angeboten, woran grundsätzlich nichts auszusetzen ist. Aber muss man denn unbedingt mit einem Bus darauf fahren? Für 85$ geht es 5km auf dem Eis Richtung Gipfel. Am Fuß des Gletschers informieren Infotafeln die Besucher über die rasende Geschwindigkeit des Abschmelzen des, nicht mehr, ewigen Eises. Dann schwingen sich die Touristen in die Busse mit riesigen Ballonreifen, um nochmal so richtig auf dem Eis eine Runde zu drehen. Alles organsiert und genehmigt von Parks Canada. Umweltschutz? Kommt sicher gleich nach Wirtschaftlichkeit.

Für mich ging es daher per Fuß Richtung Wilcox Pass. Diese Wanderung empfand ich als eine der schönsten im gesamten Nationalpark. Nur 8km lang, 500m Höhe und insgesamt 3 Stunden waren jede Anstrengung wert. Die Aussicht ist atemberaubend. Die Weite unbeschreiblich. Faszinierend, die Strukturen der Berge, dazu mehrere Gletscher vor und ein strahlend blauer Himmel über mir. Die Parker Ridge lag nur 30min Autofahrt entfernt und war ebenfalls mit seinen 5.5km, 250m Höhenunterschied und 3 Stunden ein absoluter Hingucker. Wenn man nicht sehr gut zu Fuß ist, ist dies meine absolute Empfehlung für Aufwand und Leistung.Wie vorher schon erwähnt, ist die kostenlose Übernachtungssituation in der gesamten Gegend nicht optimal. Es gibt einfach zu viele Touristen mit Wohnmobilen hier, die sicher auch jede Menge Probleme für die Parkverwaltung mit sich bringen. Daher wird offensichtlich sehr intensiv versucht eben diese Massen auf die Campingplätzen zu zwingen. Aufgrund der daraus sehr limitierten Versteckmöglichkeiten und der doch etwas zu übereifrigen Ranger, entschied ich mich leider mehrfach zu nicht ganz legalen Aktionen zur Reduzierung meiner Campingausgaben auf den offiziellen Stellflächen. Oder war glücklich genug ein solch schönes Plätzchen außerhalb des Parks zu finden. Inklusive Bodenfrost und einem dampfenden Fluß am frühen Morgen. Toll oder?

Banff Nationalpark

Da mich der Ort Banff, im Gegensatz zum Nationalpark, nicht interessierte, sollte der südlichste Punkt die Gegend um Lake Louis werden. Das gleichnamige Dorf bietet die üblichen FastFood-Restaurants, kleinen Supermärkte und Tankstellen. Viel wichtiger ist aber, dass es mehrere riesige Parkplätze gibt, um von dort aus die tausenden Touristen mit Shuttlebussen zu den Sehenswürdigkeiten zu befördern. Ein Umstand der mir widerum eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit bescherte. Ich machte es mir nämlich auf dem Overflow-Parkplatz bequem, ging früh zu Bett, um am nächsten Morgen 5:30 Uhr loszufahren. Wieso/Wohin? Mehrfach habe ich gehört, dass man am weltbekannten Moraine Lake vor 6:30 Uhr eintreffen sollte, um noch einen der heißbegehrten limitierten Parkplätze zu ergattern, da sonst nur die Shuttlebusse ab 8Uhr als Alternative bleiben. Ich kann heute sagen, ja, so ist es. Viele Touristen, inklusive mir offensichtlich, möchten den Sonnenaufgang dort erleben und dafür muss man leider eben sehr früh aufstehen. Es scheint eine große Anziehungskraft zu haben, die ersten roten Sonnenstrahlen zu beoabachten wie sie die umliegenden 10 Berggipfel berühren und damit einen unglaublichen Kontrast zum türkisen Wasser zaubern. Naja, hätte ich auch gerne gesehen. Dafür gab es aber leider zu viele Wolken. Trotzdem ist es ein wirklich bildschöner Ort.

Gegen 7:30 Uhr entschied ich mich das Feld den meist asiatischen Touristen zu überlassen und wanderte schnurstracks zu den goldenen Lärchen. Eine ziemlich steile Wanderung zu einem durchaus sehr farbenprächtigen Wäldchen.

Weiter ging es Richtung Sentinel Pass. Dort um 9:30 Uhr angekommen genoss ich mein Käffchen aus der Thermoskanne und die kühle ausgezeichnete Aussicht. Man kann im Tal halbwegs gut die Lärchen erkennen. Alles zusammen waren dies 12km, 725m Höhenunterschied und 5 Stunden.

Auf meinem Rückweg durfte ich dann die mir entgegenkommenden Horden an Touristen passieren lassen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Leute auf einem Wanderweg getroffen wie hier. Hunderte schoben sich den Berg hinauf, um die Farben der Lärchen zu bewundern. Insofern hatte ich mal wieder alles richtig gemacht. Außerdem war es so früh am Tag, dass ich gleich noch zum Lake Louis fahren konnte. Nach ein paar Runden um den Parkplatz ergatterte ich tatsächlich einen, packte meine sieben Sachen und wanderte vorbei am See zum Plain of the six Glaciers. 6km und 365m Höhe lagen nun erneut vor mir. Es wurde eine harte Wanderung, war ich doch schon etwas vom Morgen mitgenommen. Aber das schöne Wetter wollte genutzt werden und ich erreichte überglücklich das Ziel nach 2.5 Stunden ohne Pause. Angeblich kann man das Eis zerbrechen hören, welches von einem der 6 Gletscher auf einem Berg oberhalb des Aussichtspunktes über 100m tief ins Tal stürzt. Ich hab nix gehört. Rückblickend fand ich diese Wanderung, inklusive dem See, schön aber nicht so beeindruckend wie die zum Sentinel Pass.Ich habe nicht alle meine Wanderungen hier genannt, um das Bergthema einfach etwas abzukürzen, aber garantiere Euch, dass es viel zu Entdecken gibt. Die ganze Region hat mit recht einen solch positiven Bekanntheitsgrad und ist tatsächlich ein absolutes Muss für jeden Kanadabesucher. Doch gerade deshalb sollte man sich bewußt sein, dass es überall sehr voll ist, nicht nur in Bezug auf den Verkehr sondern teilweise auch die Wanderwege. Für meinen Teil empfand ich den Sepember als optimal und die Menschenmassen gerade noch erträglich.

Die Nationalparks Jasper und Banff stehen zweifelsohne für eine wunderschöne Landschaft und einen sehr lukrativen Tourismus. Vielleicht komme ich im Winter noch einmal wieder.

Wer Fragen, Anregungen oder andere Meinungen bzw. Erfahrungen hat, der behält sie natürlich nicht für sich, sondern hinterlässt mir einen Kommentar. Ich freue mich über wirklich jede Nachricht. Ansonsten könnt ihr mir immer eine Email schreiben an tomplz30@yahoo.de oder mich per skype erreichen unter el_fuerte1.

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2 Kommentare

  1. Kathi

    Moin Thomas,

    wow diese Landschaften, diese Weite… Fernweh kommt auf, besonders wenn hier der Winter ohne Sonne beginnt… 😉
    Das Gedicht gefällt, wo hast du es gesehen?

    Dann weiterhin viele schöne Erlebnisse!
    liebe Grüße aus Berlin
    Kathi

    Antworten
  2. Thomas (Beitrag Autor)

    Hey Kathi.
    Die beiden Nationalparks lohnen sich wirklich. Gut, sagte ich bereits. Im Winter soll es wohl deutlich ruhiger werden. Allerdings kann ich mir gar nicht vorstellen wie kalt es sein muss. Brrr. Wollen wir es austesten?
    Das Gedicht fand ich an der „Natural Bridge“, einem Wasserfall in der Nähe vom Yoho Nationalpark, siehe letztes Foto.
    Bis demnächst,
    Thomas

    Antworten

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