17.4. RÜCKKEHR NACH KANADA

Kanada, da bin ich wieder.

Das Gefühl die Grenze zu passieren, brachte so etwas wie ein „Heimkommen“ mit sich. Vieles schien vertraut, obwohl ich in diesem Teil der Welt noch nie gewesen war. Doch der Eindruck meines Aufenthalts in Kanada vor Alaska muss wohl so positiv gewesen sein, dass mein Bauchgefühl mich jetzt optimistisch in die Zukunft blicken ließ.

Die Musikalische Untermalung kommt heute von der Gruppe „Cinematic Orchestra“, welche über die letzten Jahre zu einer meiner Lieblingsbands mutierte, mit dem passenden Song „That Home“. Ein sehr gefühlvoller Song, der zum Nachdenken anregt. Hier (Klick) gibts die Musik, Link öffnet in neuem Fenster, bei mir gibt es den passenden Text 🙂 Also hier bleiben!

Nur einen 300km Katzensprung von der Grenze Alaskas entfernt, fährt die Provinz Yukon mit dem langersehnten und mehrfach empfohlenen Kluane Nationalpark ein ordentliches Kaliber an massivem Fels auf. Ein lohnenswertes Ziel, um endlich wieder zu Wandern, dachte ich. Nach meinen letzten 3 vollen Fahrtagen hatte ich schon Hummeln im Hintern und suchte nun nach einem perfekten hohen Sessel zum „Berg-Fernsehen“. Im September scheint es nicht allzu viele Reisende in diese Gegend zu verschlagen und so war ich auch der einzige Tourist im erstbesten Nationalparkbüro, um mich nach möglichen Wandertouren zu erkundigen. Der junge Ranger, muss wohl mein frisches Alter haben, empfahl mir den Sheep Creek Trail gleich um die Ecke. Gut, los geht’s.

Dieser Wanderweg ist mit dem Schwierigkeitsgrad moderat beschrieben, kann aber um die Gipfelbesteigung verlängert werden und wartet dann mit einem sehr schwierigen Anstieg auf. Da ich in dem Fall keine halben Sachen mache, war mein Ziel für diesen Tag schnell gesetzt. 15 km, 1100 Höhenmeter, 4 Stunden. Ein echt harter Brocken aber ein gigantischer Ausblick, bei feinstem Wetter!

Gut erkennen kann man die permanent starken Winde in dem mir zu Füßen liegenden Tal. Der feine Sand aus dem trockenen Flussbett wird Kilometerweit in den Kluane-See getragen und führt dabei regelmäßig zu Sperrungen des Alaska-Highways.

In der Umgebung des wundervollen Sees verbrachte ich 3 Tage. In der Sonne Wandern, Angeln und ein bisschen Autoputzen. Nachts hingegen behielt ich, Dank Fabian und Ivo, die Aktivität der Nordlichter auf diversen Internetseiten im Auge. Die Chancen standen gut und so stellte ich mir für 2 Tage in Folge den Wecker ab Mitternacht immer zur vollen Stunde, die ganze Nacht. Tagsüber lagen die Temperaturen um die 18 Grad, am sehr frühen Morgen hingegen bei -5 Grad. Das machte es nicht unbedingt einfacher um 2 Uhr aus dem kalten Auto in die noch kältere Bergluft zu klettern. Am zweiten Abend reichte mir dann der schnelle Blick durchs Autofenster um zu realisieren, dass ich wohl einfach kein Glück hatte. Um 5 Uhr morgens musste ich dann, ganz ohne Wecker, mal aufs Töpfchen und wie ich da so frierend im Wind stehe blicke ich verschlafen in den Himmel … und siehe da. Mein Wunsch wurde Realität.

Nordlichter sind vielfältiger als ich es vermutet hatte. In meinem Fall änderten sie permanent ihre Position, Länge und Aussehen. Das Spektakel war unberechenbar, als wenn starke Winde durch den Nebel wehen, dabei in einem Moment einen seichten Schleier, im anderen feine Linien in den Himmel zeichnen würden. Eine Stunde überstand ich die Eiseskälte, genoss dabei jede Sekunde in den Himmel starrend meinen immerwährend steifen Nacken bis sich sage und schreibe alles in Luft auflöste. Die Nordlichter verschwanden plötzlich von einer auf die andere Sekunde.

Leider sind meine Fotos nicht sehr gut geworden, da neben dem intensiven Mondlicht auch noch Wolken die Sicht einschränkten und meine laienhaften Belichtungseinstellungen ihr Übriges dazu beitrugen. Es war trotzdem ein wunderschönes Erlebnis und ein Naturschauspiel allererster Güte. Ich kann Jedem nur empfehlen, wenn man die finanziellen Möglichkeiten dazu hat, auf speziellen Wintertouren in und um Whitehorse (kenne dort Jemanden) oder, wie ich es kürzlich in einem Fernsehbericht sah, in Norwegen bzw. Alaska dieser Faszination nachzugehen.

Meine nächste, und damit vorerst letzte lange, Wanderung im Yukon war zum King´s Throne am Kathleen Lake. Hin und zurück insgesamt 15km, 1250 Höhenmeter und knapp 5,5 Stunden.

Vom Parkplatz aus dachte ich den Gipfel zu erahnen, doch wie ich später oben angekommen herausfand wurde dieser von einem davorliegenden Hügel verdeckt. Das zeigte wie wenig ich eigentlich über diese Wanderung wusste, außer natürlich, dass sie sehr steil werden würde.

Die ersten 5km bis zum mittleren Plateau waren recht moderat. Der ein oder andere Tourist scheiterte hier bereits an dem Anstieg bzw. unterschätzte wohl die allgemeine Anstrengung einer Bergwanderung. Oh Wunder. So hatte ich die Möglichkeit jeden Einzelnen beim Überholen zu Grüßen. Ist ja gut zu wissen, wer mich da so umgibt.

Das mittlere Plateau ist die sandige Fläche unterhalb von mir

Ab dem Plateau änderte sich alles. Der sich nun mehrfach teilende Pfad führte auf einer steilen Bergkante entlang. Der Untergrund bestand aus feinem Sand oder kleinen Steinen auf hartem schrägen Fels. Eine herrliche Rutschpartie. Dazu schien die Sonne erbarmungslos und heizte mir ordentlich ein, denn der geschützte Bergrücken verhinderte jegliches erfrischendes Lüftchen. Eine mühsame Aktion, die mich mehrfach meinen inneren Schweinehund kostete. Ich frage mich immer noch wie ernsthafte hochalpine Bergsteiger ihren Schweiß im Griff behalten. Denn oben angekommen war ich total nass und der Wind bitterkalt. Keine gute Kombination.

Witzig war, dass ich hier oben einen Kanadier traf, den ich tags zuvor ebenfalls auf dem Gipfel des Sheep Creek Trail kennengelernt hatte. Die Welt ist eben ein Dorf. Auch wenn sie hier oben optisch kein Ende zu nehmen schien. Wer mehr über mögliche Wanderungen in dieser Gegend erfahren möchte, sollte diese sehr gute Website nutzen http://www.yukonhiking.ca.

Der Yukon hat es mir wirklich angetan. Ein hartes Klima aber unglaublich nette und hilfsbereite Menschen, dazu eine atemberaubende Landschaft mit unzähligen wilden Campingplätzen und kostenlosen Sanitäreinrichtungen an jeder Sehenswürdigkeit. Ihr lacht! Für mich als Langzeit-Reisender ist es erleichternd zu wissen, dass ich meinen Übernachtungs-Sparkurs weiter fortsetzen kann. Denn in den letzten 2 Monaten habe ich nicht ein Mal für einen Campingplatz bezahlt und bevorzuge dies auch beizubehalten. Andernfalls würde ich nicht schon 2.5 Jahre sprichwörtlich auf der Straße überleben können. Zugegebenermaßen ist meine derzeitige finanzielle Situation seid Verlassen Vancouver´s, nach den vielen Fahrkilometern und hohen Verpflegungskosten der letzten Wochen, doch recht angeschlagen.

Mit einem Grinsen im Gesicht erinnere ich mich gerne an die Anfangszeit mit Fabian zurück. Damals auf einer Parkbank in Vancouver klagte ich ihm mein Leid zu dem Preisniveau-Disaster der Supermärkte hier, kam ich doch geradewegs aus dem äußerst erschwinglichen Malaysia. Ich war wirklich geschockt und hatte Angst und Bange um meine langfristige finanzielle Situation. Doch Fabian, die alte Labertasche, lachte nur und meinte „warte bis du in den USA bist“. Er hatte Recht. Zwischen Alaska und Kanada liegen Welten, wenn es um die Preise der täglichen Lebensmittel geht. Das, und damit Fabian´s Aussage, kann ich nun Bestätigen. Umso mehr freute ich mich nach meiner Rückkehr nach Whitehorse über einen guten Umrechnungskurs, Dank des starken Euros, und angenehm niedrige Preise. Witzig wie sich Ansichten ändern können.

Schnurstracks fuhr ich die 200km von der letzten Wanderung im Kluane Nationalpark direkt auf einen Campingplatz in Whitehorse. Dieser erlaubt Durchreisenden den Sanitärtrakt auch ohne Übernachtung zu nutzen. Mein geplanter Gang Richtung Dusche war damit nicht aufzuhalten. Gott war das gut. Und notwendig! Frisch und munter verbrachte ich anschließend ein paar Tage mit Einkaufen, Wäsche waschen und Blog schreiben. Natürlich traf ich wieder viele interessante Leute, lauschte Ihren Geschichten oder versuchte einen Weg zu finden, sie loszuwerden. Ein Holländer, der in Dawson City seit 30 Jahren Gold schürfte und nun seinen Besitz dort verkaufen möchte, blieb mir sehr gut im Gedächtnis. Er schien ein wirklich hartes Leben gehabt zu haben, stand dafür nun mit seinen 65 Jahren aber finanziell recht gut da, das allerdings alleine. Ein bisschen Wehmut klang in seiner Stimme das Rentenalter erreicht, doch das lebenswerte Leben irgendwie verpasst zu haben. Er war ein sehr langer, angenehmer Gesprächspartner. Ich hoffe sehr, dass das Geld ihn glücklich machen wird. Dann war da noch ein älterer Deutscher, welcher mich plump auf dem Walmart Supermarkt Parkplatz ansprach, ob ich nicht mit ihm durch China fahren wollen würde. Er hätte schon die ganze Welt mehrfach bereist und wollte dort jetzt nochmals hin. Ein doch recht merkwürdiger Kauz, mich hier in Nordkanada auf so eine Reise anzusprechen. Nee mein lieber, vielleicht ein anderes Mal.

Nordlichter in Whitehorse

Fabian erreichte Whitehorse ebenfalls mit nur wenigen Tagen Verspätung und so konnten wir beide noch zwei Nächte zusammen, jeder in seinem Auto natürlich, verbringen. An einem ordentlichen Lagerfeuer, ich standesgemäß mit einem billigen Bier, er mit seiner Fanta. Dann verabschiedeten wir uns endgültig für „Werweißwielange“. Ich werde ihn wirklich vermissen, denn in seiner Gesellschaft braucht man absolut kein Radio. Unterhaltung ist damit immer garantiert. Hab eine gute Reise Heimwärts, ich treffe Dich irgendwann bei Aldi an der Kasse wieder, wenn ich meine Pfandflaschen abgebe.

Ich musste weiter, hatte ich doch bereits ein örtliches als auch zeitliches Ziel vor Augen. Denn mit meiner Abreise aus Vancouver nahm ich damals ein Vorstellungsgespräch bei einem Yachthersteller als Laienschreiner in Anspruch. Ich war wohl überzeugend genug, dass mich der Chef, nach meiner Nachfrage vor ein paar Wochen, tatsächlich haben wollte und mir bereits einen Arbeitsvertrag per email zukommen lies. Wahnsinn, das wäre in Deutschland wohl unmöglich. Ich freute mich riesig, doch das hieß jetzt in 3 Wochen 3000 Kilometer reißen und bis zum 02.10.2017 die Sunshine Coast erreichen.

Schilderwald in Watson Lake

Am zweiten Fahrtag erreichte ich die Liard Hot Springs gegen 21 Uhr. Eine nette Dame, vom Besucherzentrum im letzten großen Ort Watson Lake, empfahl mir dort um diese Uhrzeit aufzuschlagen, da dann kein Eintritt mehr gezahlt werden müsste. Gesagt, getan. Leider konnte ich überhaupt nicht erkennen in was ich mich da eigentlich reingesetzt hatte. Außer, dass es schön mollig warm war. So verbrachte ich fast 45 Minuten in den 42 Grad heißen Quellen bis nicht nur die Hände schrumpelig wurden, irgendwo im Wald mit dem Vollmond über und ein paar unüberhörbaren Chinesen neben mir.

Entlang der landschaftlich schönen Strecke bis nach Fort Nelson gab es alles Mögliche an Tierleben zu entdecken, teilweise ohne dafür das Auto verlassen zu müssen. Kanada ist eben ein ganz großer Zoo.

Doch die anschließende Fahrt Richtung Jasper Nationalpark war dann genau das Gegenteil, nämlich todlangweilig. Es gibt auf diesem Abschnitt neben den unzähligen Öl- und Minenfeldern sowie den dazu gehörigen Industriezentren absolut nichts Sehenswertes. Doch ich war nicht traurig, wusste ich doch, dass am Ziel genug Abenteuer warten würden.

 

Wer Fragen, Anregungen oder andere Meinungen bzw. Erfahrungen hat, der behält sie natürlich nicht für sich, sondern hinterlässt mir einen Kommentar. Ich freue mich über wirklich jede Nachricht. Ansonsten könnt ihr mir immer eine Email schreiben an tomplz30@yahoo.de oder mich per skype erreichen unter el_fuerte1.

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4 Kommentare

  1. Sabine&Andy

    Hach Yukon! Unser Aufenthalt dort war viel zu kurz – aber bleibend! Irgendwann werden wir wiederkommen. Vielleicht ja auch im besonders schönen Herbst. Die Liard River Hotsprings sind übrigens unsere absoluten Lieblingsthermen – und können sich auch bei Tageslicht sehen lassen 😉

    Eine wunderbare Zeit wünschen wir!

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    1. Thomas (Beitrag Autor)

      Ich fand die Zeit ab Juli bis September perfekt. Natürlich kann man auch noch länger bleiben 🙂 . Es war meistens warm und die Touristen Massen hielten sich in Grenzen. Sowie ihr habe ich also genügend Gründe um wieder zu kommen. Hoffentlich finde ich vergleichbare Quellen auch Süd der panam wieder, aber da wisst ihr wohl mehr 🙂

      Kommt gut nach Hause

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  2. Sarah

    Toll, du hast Nordlichter gesehen! So wie du eins bist – haha!
    Und die Berge erinnern an Tadschikistan. Ich freu mich für dich!
    Viele Grüße aus Hamburch …

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  3. Thomas (Beitrag Autor)

    Ja Wahnsinn oder? Letzte Woche wurden Nordlichter sogar bei Vancouver gesichtet, da hatte ich allerdings schon geschlafen. Mit soetwas rechnet man ja auch nicht 🙂
    Der Yukon und seine Bergkulisse ist wirklich wunderschön, und unzählige die ich noch nicht einmal besucht habe. Da ist also jede Menge Potenzial für eine Rückkehr. Vielleicht nächstes Jahr?

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