18.0. ALASKA UND DAS ENDE EINER LANGEN REISE

Kleiner Hinweis bevor große Verwunderung aufkommt. Der vorherige Bericht über den Dempster Highway wurde von mir im letzten Absatz um Dawson Citry erweitert. Wer also gerne einen nahtlosen Zusammenhang von Kanada nach Alaska lesen möchte, der möge bitte hier nochmal reinschauen.

Desweiteren werde ich zukünftig in meinen Berichten einige Musiktitel verschiedener Genre hier veröffentlichen. Warum? Weil mir danach schon sehr lange ist und ich mit dieser Musik einen bestimmten Reiseabschnitt verbinde. Vielleicht für den Einen oder Anderen von Euch auch eine Inspirationsquelle neuer Musikstile.

Alaska

Am 15.08.2017 überquerten Fabian und ich, über den Top of the World Highway kommend, die Grenze der USA. 8 Dollar für einen Stempel im Pass, keine Fragen, 5 Grad und Regen. Wir waren in Alaska! Die Landschaft änderte sich gegenüber Kanada kaum, dafür fielen mir die vielen Straßenschilder mit Einschusslöchern auf. In einem Land wo Jeder problemlos eine Waffe tragen kann, gibt es dementsprechend auch viele Freizeitjäger. Ihre Zeit war jetzt gekommen. Überall fuhren kleine Buggys rum, um Elche, Cariboos oder scheinbar Schilder zu schießen. Hoffentlich nicht uns!

Die Musikalische Untermalung kommt heute von Heavenchord – dafür bitte hier klicken und im Hintergrund den Player laufen lassen! Dubtechno hat es mir schon lange angetan, danke dafür an Meister Wenzel aus Berlin und den besten Baumfreund aus Hannover!

Fabian wollte nach Norden, ich in den Westen Alaskas. So trennten sich unsere Wege nach fast 4 Wochen am Ende des Alaska Highways in Delta Junction. Meine Route führte mich auf dem Denali Highway, einer 180km langen Schotterstraße, zum dazugehörigen Denali Nationalpark. Die Fahrt durch die weite, wunderschöne Landschaft wurde nur getrübt durch das Ausbleiben meiner Standheizung. Immer wenn ich sie brauche, und das war jetzt bei 2 Grad der Fall, versagt sie ihren Dienst. Da war ich mal wieder bedient! So versuchte ich die wenigen Sonnenstrahlen intensiv zu genießen und fand einen kleinen See ganz für mich allein. Naja, außer den beiden witzigen Federviechern natürlich.

Der Denali Nationalpark am Ende der Straße ist das Highlight vieler Alaska Touristen. Leider, oder vielleicht gerade deswegen, bleibt er den 600.000 Besuchern im Jahr mit dem Auto unerreichbar. Wer in den Park möchte, muss eine Bustour buchen. Die populärste zum Eielson Center kostete mich 44 $ und dauerte jeweils 4 Stunden Hin- und Rückfahrt. In der riesigen Berglandschaft sind sehr viele Schwarz- und Grizzly Bären sowie Elche zu Hause. Also all das was ich auf dem kostenlosen Denali Highway, aufgrund der ungelogen Tausend Jäger, vermisste, konnte ich hier gegen Bezahlung noch sehen. Aber ehrlich gesagt, wurde ich nicht enttäuscht. Die Busfahrt war wirklich witzig, alle Gäste hielten unentwegt Ausschau nach Tieren und wenn jemand etwas erspähte, sprangen 40 Leute auf und knipsten was das Zeug hält. Leider konnte ich nicht allzu viele Fotos machen, da entweder die Sicht beschränkt war oder die Tiere wieder zu schnell im Dickicht verschwanden. 7 große Bären, unzählige Cariboos und Elche, teilweise sogar direkt neben dem Bus, soviel freies wildes Leben hätte ich überall in Nordkanada und Alaska erwartet. Doch es bleibt wohl nur noch diese Busfahrt.

Angeblich kann man vom Eielson Center den mit 6190m höchsten Berg Nordamerikas den Mount Denali sehen, jedoch blieb mir dieser leider verborgen. Zudem gibt es im Park kaum offizielle Wanderwege und es wird empfohlen einfach los zu stiefeln. Okay. So entschied ich mich, trotz des miserablen Wetters und der bescheidenen Sicht, für eine 3 Stunden Wanderung vom Besucherzentrum Querfeldein in die Wildnis. Zugegebenermaßen war ich dabei immer mit den Gedanken bei den Bären, welche ich noch 10 Minuten vorher neben dem Bus fotografierte.

Das Wetter blieb kalt und regnerisch. Zurück am Auto funktionierte die Standheizung mehr schlecht als recht und ich entschied mich, statt weiterer Wanderungen am Eingang des Parks, für eine Weiterfahrt. Am nächsten Morgen wachte ich über den Wolken mit ein paar Sonnenstrahlen am Hatcher Pass auf. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie schön etwas Sonnenwärme sein kann. Nach dem Frühstück entschied ich mich spontan für eine Wanderung auf den nächstgelegenen Berg. Obwohl ich keinem Weg folgte oder wusste was mich dort erwartet, war ich oben angekommen schlichtweg begeistert von der Aussicht. Viel besser noch, ich sah sogar den Berg Denali aus der Ferne, wie er im Licht der Sonnenfinsternis rot leuchtete. Beim Wandern fiel mir ebenfalls auf, dass ich den frischen Spuren eines Bären folgte. Eindeutige Tatzenspuren, große umgedrehte Felsbrocken und ein frischer Fleischfetzen auf dem Weg. Genug Indizien, doch der Bär war nirgends mehr zu sehen.

Nach 3 Stunden auf dem Berg genoss ich anschließend meine notwendige Dusche in einer Tankstelle und fuhr weiter nach Anchorage. Dort lies ich schnell einen Ölwechsel machen, kaufte ein und verschwand wieder. Es regnete Bindfäden und am nächsten Tag sollte der letzte Sommertag in Alaska bestes Wetter mit sich bringen. Da wollte ich natürlich nicht in einer gesichtslosen amerikanischen Stadt rumhängen! Aus Erfahrung kann ich allerdings sagen, wenn man sich in Alaska auf eines verlassen kann, dann auf einen normalerweise falschen Wetterbericht. 

Ein früher Morgen kurz vor Whittier

Optimistisch wählte ich Whittier für diesen denkwürdigen Tag und … das Wetter war wie angekündigt. Sonne, 18 Grad, keine Wolke am Himmel. Nach einer 3 stündigen Wanderung am frühen Morgen zum Portage Gletscher ging es für mich direkt auf den Ausflugsdampfer der 26 Gletscher Tour im Prince William Sound. Mein Schweizer Freund Ivo hatte sie mir ausdrücklich empfohlen, auch wenn ich solche finanziellen Sprünge sonst nie unternehme, sollte sie das beste Erlebnis meines Alaska Aufenthaltes werden. 180 $, 5 Stunden und, ich hab nicht gezählt, vermutlich 26 Gletscher eben. Eine Wahnsinns Fahrt durch eine riesige Fjordlandschaft. Ein paar dieser Gletscher sind tatsächlich noch im Wachstum, da die Berggipfel in ganzjährig kalte Temperaturen gehüllt sind und dadurch beständig Schnee und Eis ins Tal schieben. An einem (habe den Namen vergessen) verbrachten wir fast 20 Minuten. Etliche Male versuchte ich ein Video von scheinbar bevorstehenden Abbrüchen zu machen, doch es passierte nichts. Dann fielen ein paar kleine Eisbrocken und alle dachten, dass es das jetzt gewesen wäre. Doch es kam noch dicker.

Alaska hat Tausende Gletscher. Immer wieder kann man diese von der Straße erblicken, mit Flugzeugen darüber fliegen oder eben auch selbst erkunden. Das Harding Icefield mit seinem Exit Gletscher in der Nähe von Seward, ist mit 777qkm die beeindruckendste und einzige zu bewandernde Ansammlung an Eis in Nordamerika. Das war mein Ziel für den nächsten Tag.

So schön wie der vorherige sonnige Tag endete, so beschissen und normal für Alaska präsentierte sich mein gewählter Wandertag. 8 Grad, Nieselregen und eisiger Wind. Doch das Wetter kann ich mir eben nicht aussuchen und hoffte auf bessere Sicht am Ziel. Denn das Harding Icefield kann man vollends nur in einer Höhe von 1200m betrachten und der Weg, 8km und 1000m Höhenunterschied, dorthin ist kein Kinderspiel! Ich startete also um 9:20 Uhr am Exit Glacier Besucherzentrum und hatte keinen Plan was mich auf dem Weg dorthin erwarten könnte. Nach 2 Stunden sehr steilem Aufstieg wusste ich es: Wolken. Doch ich hatte noch eine Stunde vor mir, vermutlich. Denn so genau konnte ich das gar nicht mehr sagen. Dichter Nebel zog durch die Schneelandschaft, max. 20m Sicht, es nieselte und war eisig kalt. Am Ziel, so dachte ich, trank ich meinen heißen Kaffee aus der Thermoskanne und wartete 20 min. Dabei machte der Nieselregen meiner Kamera und mir echt zu schaffen, da alles langsam aber sicher pitschnass wurde. Mein Abzug war damit klar wie Klosbrühe.

Ausgewogene Ernährung: Ein gesundes vitales Frühstück vor einer langen Wanderung ist ein Muss

Gerade als ich, ohne einen Blick auf das Eisfeld zu erhaschen, gehen wollte, öffnete sich langsam die graue Suppe vor mir. Es kam Wind auf. Endlich.

Da war es! Riesige Eismassen, ein unendlich weites Feld, das seit Jahrtausenden ins Tal stürzt.

Für 30 Minuten vergas ich das Wetter und wanderte euphorisch noch weiter den 40, das Eisfeld fütternden, Gletschern entgegen, da ich nicht einmal den Horizont erahnen konnte. Meine Kamera arbeitete währenddessen unentwegt. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es war wirklich wunderschön. Dann schloss sich der Vorhang wieder, so schnell wie er sich öffnete. Ich war zufrieden, glücklich und total durchgefroren!

Das Wetter blieb so einladend wie am ersten Tag. Statt irgendwo mit dem Auto rumzustehen und kalte Füße zu bekommen, entschied ich mich für das Fahren. Hauptsache in Bewegung bleiben und dabei die Heizung auf Stufe 3. Kurz vor Anchorage durfte ich noch einer ganz besonderen Welle beim „reinrollen“ zuschauen. Es gibt nur 60 Phänomene dieser Art weltweit, wobei diese Welle mit fast 3m Höhe, 90km Länge und 30km Breite eine der größten weltweit ist. Sie entsteht bei einem schnellen Tidenhub von mind. 82cm und kann nur annähernd vorausgesagt werden. Angeblich sind wohl Leute (typisch Amis) in den Matsch gelaufen und entschieden sich dort auf die Welle zu warten. Naja, war dann ihr letztes Erlebnis. Man muss eben Glück haben … so wie ich und diese Jungs! Geil!

500 km weiter und 2 Tage später erreichte ich Valdez. Eine Sackgasse. Auch für den Regen. Der Wetterbericht sagte seit 7 Tagen Schauer voraus. Und das auch für die nächsten Wochen. Super. Doch hier ging es nicht um den Ort sondern um die abwechslungsreiche Anfahrt vorbei an schneebedeckten Bergen und dem bekannten Worthington Gletscher.

Valdez ist berüchtigt für seine unvorstellbaren Lachsvorkommen. Selbst im kleinen Yachthafen springen diese aus dem Wasser. Eine leichte Beute also. Viele Restaurants bieten deshalb Fisch an. Ich hingegen, da Restaurants finanziell uninteressant und mir die Angellizenz mit 50$ zu teuer erschien, wollte mir gerne selber einen frischen Fisch kaufen und in der Pfanne braten. Das klang für die kochmüden Fertigprodukt-Amerikaner sicher merkwürdig. Doch in meiner Heimat in Rostock/ Warnemünde gibt es einen richtigen Fischmarkt, wo Händler regionale und internationale Produkte anbieten. Das hat Flair. Genau so etwas erhoffte ich mir hier auch. Kunden, also Rentner mit riesigen Spritdurstigen Wohnmobilen, gab es ja offensichtlich zu Tausenden hier. Die werden doch bestimmt auch mal Fisch kaufen. So fragte ich mich durch das Dorf und fand schließlich nur einen mickrigen Fischhandel. Der verkaufte mir dann den einzigen „frischen“ Fisch: Tunfisch. Tiefgefroren. Naja, Amerika halt.

Das Stück Tunfisch aß ich dann am nächsten Tag, an einem kleinen See mit Lagerfeuer, auf dem Weg zum letzten und schönsten Gletscher meiner Alaska-Rundreise.

Die Schotterstraße zum Root Gletscher endet zunächst am Fluss in McCarthy. Dort muss das Auto abgestellt werden und man besteigt auf der anderen Uferseite einen 5$ Shuttlebus, welcher direkt zum Besucherzentrum in Kennicott fährt. So der offizielle Weg. Ich hingegen wurde von einem Buggyfahrer nach Sprit angesprochen und schenkte ihm 3 Liter worauf er mich bis an den Wanderweg vom Gletscher brachte. So umging ich jeden Touristen und Tourenanbieter. Ich freute mich über ein bisschen Gespartes und wanderte ohne irgendwelche Infos zum Gletscher. Dort angekommen wunderte ich mich über die Gruppen und deren Ausrüstung, denn was ich, aufgrund meiner kleinen Buggyfahrt, nicht wusste war, dass man den Gletscher begehen kann. Die dafür notwendigen Eisschuhe hatte ich natürlich nicht. Ausführliche Infos gab es am Besucherzentrum in Kennicott, an dem ich kurz vorher vorbeigerauscht bin. Naja, was solls. So kletterte ich eben mit meinen Wanderschuhe über das Eis und sah genug um sagen zu können: Atemberaubend schön.

In Pakistan bin ich schon mal über 2 Gletscher gewandert, ebenfalls ohne spezielle Ausrüstung, nur waren diese noch mit Schnee bedeckt. Das machte es deutlich einfacher. Hier war alles aus Eis. Schweineglatt und herrlich abschüssig. Wer also nicht so (Eis-) trittfest ist, sollte vielleicht eine Tour (ab 90$) buchen. Ich für meinen Teil genoss die Zeit auf dem Gletscher alleine sehr. Perfektes Wetter inklusive und das auch für die nächsten 2 Tage. Besser hätte es nicht sein können.

Ich wählte für diese Sonnentage einen Stellplatz mit unbezahlbarem Ausblick, an dem sogar mein Kumpel Ivo aus der Schweiz nicht vorbeikam. So quatschten wir über Gott und die Welt, ich backte einen Schokokuchen und Brot, und genossen gemeinsam meine problembehaftete Standheizung.

Nach 3000km in Alaska kam das Ende dieser Nordwest-Amerika-Reise genau richtig. Der Herbst ist in vollem Gange und der Winter nicht mehr fern. Am 30.08.2017 überquerte ich überglücklich die Grenze nach Kanada. Dichte Wolken hinter mir, die Sonne im Gesicht. Mein Stellplatz für die nächsten Nächte war schnell gefunden und schien außerdem perfekt zum Angeln. Nach nur 30 Minuten hatte ich den dicksten Fisch meines Lebens am Haken. Geschätzte 2 Kg Lachsforelle passten gar nicht in meine kleine Pfanne, so gab es 2 Tage lang richtigen frischen Fisch, wie gewohnt mit kanadisch-bester Aussicht.

 

Wer Fragen, Anregungen oder andere Meinungen bzw. Erfahrungen hat, der behält sie natürlich nicht für sich, sondern hinterlässt mir einen Kommentar. Ich freue mich über wirklich jede Nachricht. Ansonsten könnt ihr mir immer eine Email schreiben an tomplz30@yahoo.de oder mich per skype erreichen unter el_fuerte1.

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