JETSETTER-LEBEN – TEIL 2 IN MYANMAR

Myanmar ist mein absolutes Lieblingsland in Südostasien. Das ist Unbestritten. Meine Rückkehr war also eher eine Frage der Zeit als des Wollens. Daher fiel es mir auch nicht sonderlich schwer zu entscheiden, ob ich meine Freunde Marieke und Marcel auf ihrem Abstecher durch dieses wundervolle Land begleiten wollte.

Mein Flieger aus Kuala Lumpur landete Mittags planmäßig auf dem brütend heißen Flughafen von Mandalay. Das Visum hatte ich bereits vorher online genehmigt bekommen. Dieser Service ist brandneu, empfehlenswert und ersparte mir den Gang zur Botschaft. Allerdings ist der Preis mit 50€ für 4 Wochen Aufenthalt, gegenüber den 25€ vom letzten Jahr, auch recht happig. Dafür prüfte die Immigration nur die von mir ausgedruckte Visumsbestätigung und stempelte den Pass. Das wars. Keine Warterei. Keine Fragen.

Am Flughafen Mandalay werden nur 2 Flüge pro Tag abgefertigt, dementsprechend ruhig ist es hier und alles dauert etwas gewohnt länger. Kein Problem, ich war ja da wo ich hinwollte. Ein farbenfroher Ticketschalter für einen Kleinbus, mit Festpreis Richtung City zum gewünschten Hotel, bot sich mir sofort an. Preislich keine große Differenz zu den vor dem Gebäude wartenden Taxis, auch mit angeschlagenen Festpreisen, dennoch ersparte ich mir so das leidige Erklären der Route zum Hotel.

Foto aus dem Flieger, daher bisserl unscharf

Die Luft fühlte sich wie ein Fön auf höchster Stufe an. Es war der Beginn der Trockenzeit und einer der heißesten Monate des Jahres erwartete uns. 40 Grad sollten es gerade sein. Eine angenehme trockene Hitze im Vergleich zum schwülen Malaysia. Ich konnte mich damit jedenfalls temporär arrangieren, die meisten (Weißbrot-) Touristen offensichtlich nicht. Bis der Minibus kam. Denn leider stellte sich heraus, dass die Klimaanlage des Busses nicht richtig funktionierte und so kam ich, nach einer 1,5 stündigen Fahrt, triefend nass im Hotel in Mandalay an. Ich hatte den Eindruck, dass, nachdem ich den Bus verlies, es draußen deutlich kühler wirkte.

Die Wahl unserer Unterkunft das – The Home Hotel – war super. Ein sehr großes 3 Bett Zimmer mit Klimaanlage im 4. Stock. Frühstück inklusive. Was mir hier wieder im Kontrast zu den anderen asiatischen Ländern auffiel, war die Herzlichkeit der lieben Burmesischen Mitarbeiter, ihre ehrliche (!) Freundlichkeit und das immerwährende Lächeln, sodass ich sie manchmal echt knuddeln wollte. Sie waren so überzeugend, dass  wir für den nächsten Tag spontan ein Taxi für 25$ zur Erkundung der Stadt buchten. Ich kannte zwar schon fast alle Orte, hatte aber nichts dagegen mir diese noch einmal anzuschauen. So besuchten wir etliche Attraktionen, wie alle anderen Touristen, wie z.B. die Goldklopfer, meine Lieblings – Mahamuni-Pagode und final den Mandalay Hill bei Sonnenuntergang. Bei Temperaturen von 41 Grad war die Klimaanlage im Auto unbezahlbar und der Fahrer trumpfte zudem mit feinster Hardcore-Techno Musik auf. Sehr skuril, sehr lustig, eine ganz andere Erfahrung Myanmar kennen zu lernen.

Am folgenden Tag fuhren wir per Bus nach Bagan. Für 13€ gab es eine 6 Stunden Fahrt auf 175 km, mit nur einem Stopp. Bei der Ankunft im Ort Nyaung U, dem Tor zu Bagan, zahlen alle (ausländischen) Touristen 25.000 Kyat (ca. 16€) Eintritt für die Instandhaltung der Stätte Bagan. Im Verhältnis zu Angkor Wat in Kambodscha sicher ein Witz, nur ist auch hier die Verwendung der Gelder fraglich.

Glücklicherweise wurden wir vom Busfahrer direkt vor unserer gebuchten Unterkunft View Point Guest House abgesetzt und ersparten uns vorerst die angezeigten 43 Grad im Schatten. 10€ p.P/Nacht inkl. Frühstück und Klima im 3 Bett-Zimmer. Tiptop.

Für die nächsten Tage liehen wir uns hier zwei Elektroroller und erkundeten das immer wieder wunderschöne, beeindruckende Pagodenfeld. Marcel und ich fuhren meist über Stock und Stein, sandige Felder und legten das ein oder andere Offroad-Manöver hin. Marieke schien stattdessen die Hitze und Wanderungen in einsamen staubigen Feldern zu „bevorzugen“ und lies uns gerne davon fahren. Zumindest hatte es den Anschein.

Abkühlung brachte nur das bevorstehende Wasserfestival Thingyan, welches 7 dauert und Unmengen an Wasser verschlingt. Aus kleinen, ruhigen, zurückhaltenden Burmesen werden in dieser Zeit partygeile, schreiende und, wie auf Ecstasy rumzappelnde, menschliche Wasserspritzpistolen. Planschbecken wurden mit Wasser gefüllt, Gartenschläuche an die Straße geholt, Super Soaker geladen und mit Wasser gefüllte Eimer bereitgestellt. Alles und Jeder wurden nass, es gab kein Entkommen. Diverse Autos boten Wasserspritzfahrten an, wobei die Leute auf der Ladefläche kontinuierlich mit reichlich Wasser getränkt wurden, alle 20 Meter und das tagelang.

Text aus www.emundem.de – besser hätte ich es nicht schreiben können:„In Bagan waren wir insgesamt 4 Nächte und hatten uns Abends die zahlreichen Bühnen mit traditionellen Tänzen, harter Techno Mucke und „interessanten“ Gesängen angeschaut und gemütlich auf burmesischen Plastikstühlen auf der kleinen Veranda vor unserem Zimmer mit burmesischem 1$ Rum stundenlang gequatscht.

Wegen des Wasserfestivals waren alle Transportmöglichkeiten bis auf wenige Flüge vom 13.4. bis 16.4. lahm gelegt, weshalb wir einen Flug zurück nach Yangon buchten (www.oway.com.mm) mussten. Am fünften Tag ging es dann Morgens vom winzigen Flughafen in Bagan (Nyaung U) mit der Propellermaschine über Mandalay zurück nach Yangon. Im Pickeled Tea Hostel angekommen sind wir bei einem kurzen Spaziergang durch unser Viertel zum wiederholten Male den Wassereimern zum Opfer gefallen. Ich hatte fast immer Glück, den manchmal sogar mit Eiswürfeln gefüllten Eimern zu entkommen. Marieke und Marcel müssen diese eindeutig genossen haben, sonst wäre sie doch nicht ständig nass gewesen, oder?“

Unser kurzer Abstecher nach Yangon beinhaltete, aufgrund der geplanten Weiterreise, nur den Besuch der wohl bekanntesten Pagode Myanmars: der Schwedagon Pagoda. Eintritt 8000 Kyat, wobei am Eingang ein Loongi, burmesischer Wickelrock, ausgeliehen werden kann, sollte man keine langen Hosen dabeihaben. Das schimmernde Gold, die unglaubliche Größe, die Stille, die Menschen und Gerüche der Räucherstäbchen machen diesen Ort so besonders. Marieke und ich verbrachten mehr als eine Stunde damit die Leute zu beobachten und uns gegenseitig viele Fragen zu stellen, auf die wir keine Antwort wussten. Was mir die Eintrittskarte sagte, war in jedem Fall interessant: 2600 Jahre ist die Pagode alt, beherbergt angeblich 8 originale Haarsträhnen von Buddha und ist mit 79569 Diamanten bestückt. Ihr 100%ges Abbild besuchte ich übrigens vor über einem Jahr in der Hauptstadt Naypyidaw.

Aufgrund des immer noch andauernden Wasserfestivals war es schier unmöglich öffentliche Verkehrsmittel zu buchen. Alles stand still. Deshalb mussten wir uns ein privates Taxi für 8 Stunden nach Hpa-An organisieren. Ein Video zu unserer Haarsträubenden Fahrt gibts hier:

Hier übernachteten wir im sehr guten Hotel Royal Inn Lake (Kan Thar Yar Guesthouse) für 15€ für das gesamte Dreier Zimmer.

Auch dieser Ort war eine einzige Partyhöhle, statt eines „idyllischen Dörfchens am Rande der Karstberge“ (Lonely Planet).  Das Festival nervte langsam. Nirgendwo war man sicher, die meisten Essensstände waren geschlossen und der Boden ständig matschig. Wir hofften auf ein baldiges Ende.

Stattdessen fing es an zu regnen. Unsere lohnenswerte Höhlentour wollten wir dennoch nicht abbrechen und kamen so nochmals in den Genuss von burmesischem Feiertagstourismus, wie an einem Pfingstwochenende in Deutschland. „Die Wege zu den Höhlen waren sehr beschwerlich, besonders fürs Hinterteil und vor der größten der Höhlen, die Sadan Cave, fand anlässlich des Neujahres ein „Cave Rave“ statt. Im Zusammenspiel mit dem Regen und der harten Techno Mucke, glich der Platz vor der Höhle einem Festivalgelände. Dementsprechend benötigten wir auch 1 Stunde um das „Gelände“ wieder zu verlassen.“

Die Zeit, welche ich mit Marieke und Marcel verbringen konnte, war leider limitiert. Die Beiden hatten ihre nächsten Flüge bereits gebucht und ich musste zurück nach Kuala Lumpur. Für einen gebührenden Abschluss unserer Dreisamkeit entschieden wir uns für Dawei, im Süden Myanmars.

Diese Region darf erst seit wenigen Jahren von ausländischen Touristen bereist werden, lockt mit atemberaubenden Stränden und ursprünglicher burmesischer Freundlichkeit. Leider ist die Anreise noch sehr beschwerlich. Besonders wenn man in einem Minivan die letzte Reihe zugewiesen bekommt. 8 Stunden lang hoppsten wir auf der Achse und den miserablen Straßen hin und her. Niemand weiß übrigens genau, wie lange die Fahrten dauern, manchmal 6, manchmal 9 Stunden. Bei unserer Ankunft in Dawei um 2:30 Uhr morgens war dann verständlicherweise auch alles geschlossen. Wir hatten hier das erste Mal kein Hotel vorgebucht! Super! So irrten wir von einer Unterkunft zur nächsten und hörten immer nur das gleiche „Full House“ geblubber. Letztlich wurden wir in einem neueröffneten Hostel fündig. Kleine Schuhschachtel-Zimmer mit einem Bett und Platz für einen Rucksack. 10€ für 5 Stunden Schlaf. Das war´s uns wert und wir gleichzeitig um eine Erfahrung reicher.

Eigentlich liebäugelten wir mit der einzigen Unterkunft am weit entfernen Strand, doch das Paradise Resort war ausgebucht und wir mussten uns noch einige Tage gedulden. Dawei ist eine kleine Stadt, die viel zu bieten hat. Selbstgemachter Joghurt, Käsekuchen, Burger und frisch gezapftes Bier, das alles gab es hier. Wir mieteten uns für ein paar Tage Mopeds, cruisten umher, erkundeten die Strände und wechselten für meinen letzten Tag überglücklich ins „Paradise Resort“.

Weißer Strand, Palmen und ein kleines Zelt für mich. Perfekt. Abends gab es Lagerfeuer mit besoffenen Engländern und guten Gesprächen mit anderen Deutschen sowie floreszierendes Plankton beim Nachtbadegang.

Besser hätte der Abschied von Marieke und Marcel nicht sein können. Wir hatten die vergangenen 2,5 Wochen alles zu dritt erlebt, immer in einem Zimmer übernachtet und der Bierwirtschaft mit Sicherheit neuen Schwung gegeben. Ich hoffe wir werden das irgendwann wiederholen! Die Beiden haben übrigens auch einen sehr schönen Blog zu Vietnam und demnächst Mexiko (http://www.emundem.de/)

Myanmar hat mich wieder einmal überzeugt. Ich komme wieder, keine Frage.

An meinem letzten Tag verlies ich die Beiden in der Dunkelheit um 5 Uhr früh mit dem Moped. 2 Stunden später erreichte ich Dawei, gab das Moped ab und wechselte in einen Toyota Kombi mit dem Ziel Thailand (23.000 Kyat). Auf einer abenteuerlich-staubigen Straße erreichte ich nach 5 Stunden die Grenze, bekam einen neuen Visumstempel und bestieg den Minivan nach Kanchanaburi (80 THB). Dort erneuter Wechsel in einen anderen Minivan nach Bangkok (150 THB). Letztes Transportmittel war der Schnellzug zum Airport. Dort verbrachte ich die Nacht auf dem Fußboden, wie so oft, und kam gegen 9 Uhr in Kuala Lumpur an. Mein Jetsetter-Leben war hier zu Ende.

 

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