16.5 NEUANFANG

Verabschiedungen von lieben Menschen sind immer etwas Schwieriges. In den letzten 7 Monaten und 10 Tagen auf der wunderbaren Insel Madeira oder in Rostock, Hamburg, Hannover und Berlin fühlte ich mich oft hin- und hergerissen zwischen dem Fortsetzen meines Traumes, mit dem eigenen Auto alleine die Welt zu bereisen, oder dem dauerhaften Leben an einem Ort mit Freunden und Familie. Danke für die schöne, wenn auch nicht immer einfache Zeit! Danke an alle, die mich aufgenommen haben, mit mir Bierchen trinken waren oder einfach nur Schnacken wollten. Ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich viele Freunde, immer noch Freunde nennen und dies auch bei meiner nächsten Rückkehr tuen darf!

Während meines kurzen Aufenthalts konnte ich mir selbst viele eigene, lang gehegte Wünsche erfüllen. Einfache Dinge, wie das viele intensive Grün der Baumblätter im Sommer genießen, Fahrradfahren (auf richtigen Radwegen!) oder entspannt ein Bier im Hafen von Rostock trinken.

Auf dem Darß in Mecklenburg-Vorpommern

Ich bin gerne in der Heimat, dazu zählt für mich Rostock und Hamburg, doch mein Bauchgefühl sagte mir für einen längeren Aufenthalt dort nicht zu. Ohnehin weiß ich, dass sich meine Rückkehr sehr schwierig gestalten wird. Ein lückenhafter Lebenslauf und Abenteuerlust sind nicht gern gesehen im konservativ-spießigen Deutschland. In Warnemünde besuchte ich eine gelungene Diashow eines Radfahrers, welcher eine Teilstrecke der Panamericana in Südamerika befuhr. In der Pause lauschte ich den Gesprächen der Gäste und es schien, dass sie den Grundgedanken seiner Reise gar nicht greifen konnten. Er zeigte Ihnen die Gastfreundlichkeit und Offenheit der Einheimischen, die Zufriedenheit und Akzeptanz. Es wurde geklatscht, gelacht und zugestimmt. Doch in ihren Gesprächen halten die Deutschen immer an ihren teilweise sehr ignoranten und verbohrten Vorstellungen fest, statt sich auch für andere Sichtweisen zu öffnen oder ihr eigenes Handeln und Denken zu hinterfragen! Vielleicht hat der Radfahrer seine Geschichte nicht eindeutig rüber gebracht. Vielleicht sollte ich in der Zukunft, den einen oder anderen Diavortrag halten? Das wär doch was.

In Malaysia wartete jedenfalls Mr. Bushi bereits ungeduldig auf seine Rückkehr in die Freiheit. Meine Website läuft dank Marcel einwandfrei und die neue Kamera ist ebenfalls startklar. Meine Reise musste einfach weitergehen, darin bestand kein Zweifel.

Hier bin ich also, der Weltumrunder, zurück am Flughafen von Kuala Lumpur, auf alles vorbereitet: neue Krankenversicherung, neuer Wasserfilter und ungefähr 8Kg Autoersatzteile im Gepäck. Das Freigepäck von 30Kg plus 7 Kg Handgepäck ist ausgereizt. Mein Blick konzentriert sich jetzt nur noch auf einen Gegenstand, das Gepäckband meiner Fluggesellschaft. Es dreht sich unentwegt, nur fehlt immer noch mein wichtigstes Mitbringsel. Ein Produkt, das mir mein Leben erleichtern und jeden Tag ein kühles Bier bereitstellen wird: meine neue Kompressor-Kühlbox! Sehnsüchtig erhoffte ich mir sie endlich unbeschadet in den Händen halten zu können. In Berlin lies ich nämlich vor Abflug die Umverpackung noch für unverschämte 11€ in Folie wickeln, was in Asien 2€ kostet, und hoffte nun auf eine lohnenswerte Investition. Ich hatte tatsächlich endlich mal Glück, da war sie, der Karton schien unbeschadet. Schnell ausgepackt, am Scanner und Zoll vorbeigeschlichen, und ohne Umwege direkt zum Zug. Da ist es wieder, dass einfache, zu bequeme und unkomplizierte Malaysia! Herrlich.

Ein bunter Haufen: Sie sind in real deutlich lustiger als auf dem Foto

Ein bunter Haufen: Sie sind in real deutlich lustiger als auf dem Foto

Angekommen im Haus bei meinen Freunden fühlte ich mich sofort wieder heimisch. Alles war so vertraut und unspektakulär. Ich durfte mein Zimmer wieder in Beschlag nehmen, wusste wo ich in der Nähe Essen oder Einkaufen gehen konnte und (trotz des Handgranatenanschlags letztes Jahr) mich in einer absolut sicheren Gegend aufhalte, in der ich auch Nachts das Auto nicht abschließen muss. Ich kenne niemanden in Deutschland, der mich (vergleichsweise als fremden Europäer in Asien) einfach so bei sich aufnehmen würde und darüber hinaus so unglaublich hilfsbereit und herzlich sein kann. Wenn Du glaubst du würdest das auch tun, dann warte meinen nächsten Bericht ab. Ich bin den Jungs jedenfalls mehr als Dankbar!

Wenn ich mich an meine Zeit als Backpacker zurück erinnere, dann erfahre ich jetzt gerade ein komplett anderes Asien. Früher bin ich von einer billigen, natürlich auch wunderschönen, Unterkunft, mit anderen Westlern, zur nächsten gereist. Nun lebe ich in einem vergleichsweise luxuriösen Einfamilienhaus in Malaysia, mit indischen Freunden, in einer bewachten Anlage. Irgendwie verrückt.

Meine Gastgeber meinten, es fühle sich gar nicht so an, als wäre ich sooo lange weg gewesen. Der Abwasch sagte allerdings etwas Anderes. In unserem 3 Männerhaushalt, und Terence wechselnden Freundinnen, gehen Freunde malayischer, chinesischer und indischer Herkunft ein und aus. Auch wenn das Thema Auto (hier sind alle VW Oldtimer-Besitzer) ein Dauerbrenner ist, und für mich eigentlich nicht interessant, helfe ich wo es nur geht. Gerne auch mit klugen Sprüchen.

Wichtig ist, dass man mit allen klarkommt und das ist hier, unabhängig vom Alter und Nationalität, absolut kein Problem! So wurde auch der Wachdienst ein guter Freund. Denn nachdem dieser feststellte, dass ich in Nepal war, fast alle Security-Angestellten in Kuala Lumpur von dort sind, und wir uns lange darüber unterhielten, darf ich jeden Tag als Gast problemlos die Einfahrt ohne Anmeldung passieren. Super!

Also alles gut? Naja, sehr lange habe ich mit mir gerungen wie es weitergehen könnte. Als Alleinreisender muss ich diese weitreichenden Entscheidungen selbst treffen und auch die Konsequenzen tragen. Eine neue Erfahrung für mich und keine besonders gute! Das ich Weiterreisen möchte stand außer Frage, doch wohin? Derzeit sind viele gute Freunde in Australien unterwegs, mit dem Auto oder Motorrad. Robert und Maike leben in Perth. Es war das Ziel dieser Reise. Ich wollte mich dort langfristig niederlassen. Alles scheint perfekt, um die Koffer zu packen. Das wiederum würde aber bedeuten, dass Mr. Bushi entweder verschifft werden müsste, was ca. 3500€ kostet und dort sehr schwierige Quarantäneregeln auf mich warten, oder weiter in Malaysia vor sich hingammelt. In Australien müsste ich mir zudem kurzfristig einen Job suchen, da das Leben dort unglaublich teuer ist. Das ist, aus eigener Erfahrung heraus, ohne Arbeitsvisum nicht ganz so einfach. Klar ist: will ich in Australien bleiben, findet die Reise dort vorerst ihr Ende. Will ich weiterfahren muss ich mich, da ich finanziell langfristig gesehen nicht allzu gut dastehe, auf etwas konzentrieren was mich weiterbringt. Ich bin den Pamir und den Karakorum Highway, Teile der Seidenstraße und durch Myanmar gefahren, warum nicht auch die Panamericana von Nord- nach Südamerika? Kanada bietet ganz zunverfroren bis ins hohe Alter von 35 Jahren ein einjähriges Arbeitsvisum.

Wie denkt ihr darüber?

Liebe Grüße aus Puchong/ Malaysia

 

 

Wenn Du mehr wissen willst, klicke bitte auf die Links mit dem Wort „hier

Ausführliche Infos zu Mr. Bushi findest Du hier

Länderinformationen findest Du hier

Meine Packliste findest hier

 

6 Kommentare

  1. Sabine

    Hallo Thomas,
    grossartig zu lesen, dass du wieder unterwegs bist! ja, wieso denn nicht die Panamericana?! Kennst du die beiden von http://www.mitdembulliumdiewelt.ch? Sind haben auch von Asien nach Kanada verschifft. Vielleicht kannst du sie ja einmal anschreiben.

    Bin gespannt, wie du entscheidest.

    Liebe Grüsse
    Sabine

    ps ab März sind wir auch wieder auf dem amerikanischen Kontinent (Uruguay)

    Antworten
    1. Thomas (Beitrag Autor)

      Hey Sabine, mensch toll von Euch zu hören. Ich hoffe Portugal gefällt euch sehr, auch wenn ihr Euch zunächst an das Klima anpassen musstet. Hatte es denn den gewünschten Erfolg?
      Ja wieso nicht die PanAm, ja diese Frage stelle ich mir ziemlich oft … und habe immer noch keine konkrete Antwort gefunden. Aber ich muss auch nichts überstürzen. Nebenbei, finde ich es schade, dass ihr im März genau am „falschen“ Ende der PanAm ankommt. Ich denke wir könnten uns sehr gut an einem Lagerfeuer die Zeit mit Geschichten vertreiben. Mal sehen, was sich noch ergibt. Sandra und Marcus, aus dem og. Blog, kenne ich sogar persönlich. Ich hatte mit Ihnen ein paar Tage in Thailand verbracht und hoffe sie, wenn ich nach Kanada gehe, dort auch nochmal persönlich zu treffen. Sie hatten nebenbei die Verschiffung aus Bangkok heraus organisiert. Thailand fällt aber mit der neuen Gesetzgebung leider total flach – für alle Overlander!
      Liebe Grüße
      Thomas

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  2. Sarah

    Nun komm‘ ausm Quark und fahr nun endlich nach Kanada!!!

    Liebe Grüße aus Hamburg wo endlich etwas Frühling kommt!

    Sarah

    Antworten
    1. Thomas (Beitrag Autor)

      Na siehste, endlich Sonne satt. Steffi hat bestimmt noch jede Menge Tips bzgl. Kanada auf Lager 🙂 Richte bitte liebe Grüße an sie aus!

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  3. Robert

    Hi Thomas,
    gute Reise wünsch ich.

    Liebe Grüße
    Robert

    Antworten
    1. Thomas (Beitrag Autor)

      Danke Robert.
      Freut mich, dass Du immer noch bei mir reinschaust!!!
      Ich melde mich bei Dir demnächst per email …
      Beste Grüße
      Thomas

      Antworten

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