17.1 SUMATRA TEIL 2

Von Bukittinggi nach Berastagi

Am 02.02.2016 ging es für mich um 5:30 Uhr morgens, nach einer letzten gemeinsamen Übernachtung mit Ellen, Jonas und Michael in Bukkitinggi, nach Padang. Ich kochte mir schnell einen „leckeren“ Nescafe und setzte mich vor unserem Hotel auf den Bordstein, um auf mein Sammeltaxi zu warten. Jeder der mich kennt weiß, dass ich ein absoluter Morgenmuffel bin. Dennoch ziehe ich komischerweise gerade in diesen Momenten redselige Menschen an, wenn ich sie gerade absolut nicht suche. So auch an jenem frühen Morgen. Ein Indonesier gesellte sich zu mir und erzählte mir alles Mögliche, wovon ich absolut nichts behalten wollte und habe. Letztlich gab er mir, wie immer, seine Visitenkarte, da er natürlich rein zufällig als Tourenveranstalter tätig ist, und freute sich auf meinen baldigen Anruf. Ich war schon lange nicht mehr so glücklich endlich das Taxi besteigen zu können, welches erstaunlicherweise halbwegs pünktlich um die Ecke bog. Toll, dachte ich. Eine gemütliche Fahrt zum Flughafen. Leider erwies sich der Fahrer als ein Wahnsinniger, der mich in haarsträubender Fahrtgeschwindigkeit in nur 2 Stunden, statt der vorhergesagten 3 Stunden, zum Flughafen von Padang brachte. Glaubt mir, indonesische Straßen sind die Hölle und ich war sehr froh, DAS überlebt zu haben!

Mein Flug nach Medan der Hauptstadt von Sumatra verlief unkompliziert. Am Flughafen lies ich die rufenden Taxifahrer links liegen, schnappte mir den Bus nach Padang Bulan, wechselte dort auf eine Riksha für 100m und bestieg ohne Pause den nächsten Localbus Richtung Berastagi. Selten hatte ich soviel Glück von einem Transportmittel in das nächste zu wechseln, vor allem ohne lange Wartezeit! Ich freute mich sehr über meinen Fensterplatz und meinen Rucksack neben mir, denn normalerweise werden alle Güter auf das Dach verfrachtet. Der Bus hielt natürlich ständig an, um immer mehr Menschen hinein zu quetschen. So wurde es auch für die die beiden Omis neben mir ziemlich eng.

Nach 3 Stunden Fahrt erreichte ich todmüde das auf 1600m Höhe gelegene Berastagi, traf den Sohn der Besitzerin von meinem Guesthouse, und eine kurze Mopedfahrt später stand ich in meinem müffeligen Zimmer im Talitha Guesthouse. Geschätzte Strecke 1500km, Kosten 30€. So einfach kann es sein!

Die Vulkane Sibayak und Sinabung

Das einzig Gute am Soloreisen ist, dass ich selbst entscheiden kann, wann ich was machen möchte und die Resultate selbst (er)tragen muss. Daher war leider auch die nächste Nacht für mich sehr kurz. Mein Ziel: den Vulkan Sibayak vor Sonnenaufgang besteigen. Dies kann man mit einem Guide tun, muss man aber nicht. Wenn man 2 gesunde Beine hat und lesen kann, ist es durchaus machbar alleine zu wandern. Ich traf einige Ausländer, denen dies nicht gegeben war.

Um 3:30 Uhr klingelte mein Wecker, ich schnappte mir meinen professionellen Wanderrucksack in Form einer Einkaufstüte und verlies im Dunkeln meine Unterkunft. Zunächst lief ich entspannt mit meiner Taschenlampe durch das Dorf. Ich freute mich auf einen kühlen Morgen, Ruhe und leckere Kekse in meiner Hosentasche. Leider vergas ich, dass ich in Asien war und daher jede Menge aggressive Hunde auf der Straße, hinter Zäunen, einfach überall lauerten und zähnefletschend losbellten. Es war der absolute Horror! Nochmal würde ich das nicht machen.

Egal. Es dauerte insgesamt, statt 3 Stunden, nur 2 Stunden bis zum Gipfel. Vielleicht auch, weil ich niemanden zum unterhalten hatte, da scheinbar die meisten eh mit dem Moped oder Auto die Hälfte des Berges hinauffuhren, ich hungrig war und vor Sonnenaufgang oben sein wollte. Auf dem letzten Stück folgte ich glücklicherweise einer Gruppe Ausländer zum Kraterrand auf fast 2200m Höhe und genoss, bei extrem fauliger Luft, die herrlich bergige Landschaft in der Ferne, den Vulkan unter mir und den Sonnenaufgang über Berastagi.

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Im Hintergrund der Vulkan Sinabung

Der Wind fühlte sich jedoch eisig kalt an, besonders, weil ich durchgeschwitzt war. Eine Abhilfe boten mir da nur die schwefelhaltigen feuchten Vulkangebläse im Krater. Ich wanderte also von einem zischenden Loch zum nächsten, genoss den heißen Fön, stank dann allerdings wie ein altes gammeliges Ei und war letzten Endes noch nasser als vorher.

IMG_7596_blogFast 3 Stunden verbrachte ich auf den Gipfeln des Sibayak und kletterte dabei auf so ziemlich alles, was mir einen Ausblick bot. Der Vulkan war sehr beeindruckend, doch es wurde höchste Zeit für meinen ersten Kaffee, denn der war wichtiger als alles andere! Ich fand ihn, stark und schwarz in einem „Restaurant“ auf dem Parkplatz. Als ich dort nur kurz auf meine Handyuhr schaute, fragte mich ein Indonesier sofort, ob ich denn nun die Fotos bei Facebook hochladen würde. Leider musste ich ihn enttäuschen. Er fand mich bestimmt merkwürdig

Da der Tag noch jung war, bestieg ich am Nachmittag noch den Gundaling Hill, da man von hier aus angeblich einen tollen Blick auf die 2 Vulkane Sibayak und Sinabung haben sollte. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Indonesier den Berg komplett mit Restaurants zugebaut hatten, mir somit jede freie Sicht nahmen und sich auch das Wetter schlagartig änderte. Im Regen fuhr ich enttäuscht mit einem Ankor (Minibus) zurück zum Hotel und vertagte den Ausblick auf den nächsten Tag.

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Im Hintergrund der Vulkan Sibayak, auf den ich zuvor gewandert bin

Das war die richtige Entscheidung. Ich fand ein feines Fleckchen und hatte Glück. Der Vormittagsaufstieg erwies sich nun als Highlight meines Aufenthaltes!

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Ein kurzes Räuspern des Vulkans Sinabung

Der Vulkan Sinabung, 2460 m Höhe, spukte am 13. Juni 2015 gewaltige Aschewolken bis zu 3 km in die Atmosphäre und schleuderte Felsbrocken kilometerweit. Auch in den darauffolgenden Monaten blieb dieser sehr aktiv, permanente Ausbruchswarnungen waren die Folge. Letzten Endes wurden am 26. Juni 2015 über 10.000 Menschen aus seinem Umfeld evakuiert. Viele kleine ihn umgebende Ortschaften sind nun Geisterdörfer. Ich finde Vulkane unglaublich faszinierend und dann live vor Ort einen Ausbruch, wenn auch nur Aschewolken, mitzuerleben, war unglaublich beeindruckend und spannend! Ich hoffe, ich habe das gleiche Glück irgendwann noch einmal auf Java.

Mein ursprünglicher Plan war noch einen weiteren Tag zu bleiben und die verlassenen Dörfer mit dem Moped zu besuchen. Aber irgendwie konnte ich keine Beziehung zu Berastagi aufbauen und als mir meine Vermieterin mitteilte, dass den nächsten Tag eine Horde Indonesier anreisen würde, war die Entscheidung für mich klar. Weg hier!

Bukit Lawang

Es mag sich für den Einen oder Anderen so anhören als würde ich von einem Ort zum nächsten Hetzen. Dem war nicht so. Ich genoss die Vielfältigkeit der, erstaunlicherweise, einfach zu besteigenden Transportmittel auf Sumatra und wusste auch, dass ich in ein paar Tagen ohnehin in Banda Aceh relaxen werde. In Indonesien konzentrierte ich mich, ohne eigenes Auto, auf die touristischen Attraktionen, die ich wirklich sehen wollte und war nicht am Erkunden von irgendwelchen Städten oder Besuchen von Märkten interessiert. Ehrlich gesagt, die hatte ich schon zu Hauf gesehen. Wenn man als Backpacker keine Utensilien hat um sich irgendetwas zu kochen oder auch nur eine Ananas aufzuschneiden, nutzen mir die schönsten Obststände auch nichts.

Mit dem Touristen-Sammeltaxi fuhr ich also in 6 Stunden von Berastagi nach Bukit Lawang. Dort angekommen erreichte ich gegen 20 Uhr, nach einer unerwartet langen Wanderung entlang des Flusses, endlich mein Guesthouse „Kupu Kupu Garden“.

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Mein Nachmittagsausblick

Jeff, der 60 Jahre alte australisch-indonesische Besitzer, hatte keine Schneidezähne mehr, dafür jede Menge Tattoos und Humor, und begrüßte mich mit seiner sehr relaxten Art. Ich hatte bei ihm ein Zimmer für 110.000 Rupiah inklusive Frühstück gebucht. Die Lage war ideal und ich kann es bedenkenlos weiter empfehlen. Weit weg vom Touristengewusel, mitten im Dschungel an einem herrlichen Fluss. Ich verbrachte hier 2 Nächte, war der einzige Gast und so ergab es sich, dass wir sehr viele interessante Gespräche führten. Er wohnte zum Beispiel 9 Jahre in seinem alten VW Bulli in Australien und zeigte mir Fotos aus vergangenen Hippietagen. Er schien eine sehr „spirituelle“ Zeit gehabt zu haben. Vor 8 Jahren startete er  dann mit dem Bau seiner Unterkunft und entsagte dem Rauchen und jeglichem Alkohol.

Der Gunung Leuser Nationalpark, mit einer Fläche von 7927 qkm, auf der anderen Flussseite, ist berühmt für seine Orang Utans und zieht Naturliebhaber aus der ganzen Welt an. Der Park ist, neben Borneo, der letzte Ort um diese noch in freier Wildbahn zu beobachten! Er ist UNESCO Weltkulturerbe und auch der WWF ist hier schon seit Jahrzehnten sehr stark involviert, um domestizierte Affen wieder aus zu wildern. Ich hatte also große Erwartungen!

IMG_7658_blogSo startete ich mit meinem Guide Antó am nächsten Morgen um 8:30 Uhr meine 4 stündige Entdeckungsreise durch den Regenwald. Bis auf die uns ständig umschwirrenden mindestens 20 Mücken waren wir fast die gesamte Zeit alleine unterwegs. Der Wald war wunderschön. Frisches Grün, riesige Bäume und Vogelgezwitscher überall. Antó wusste sehr viel zu erzählen, soviel, dass ich gar nicht zu Wort kam. Er schien sehr überzeugt von seiner Tätigkeit als Führer, war mit viel Ehrgeiz dabei und so fanden wir letztlich das versprochene volle Programm an Tieren: Orang Utans, White Handed Gibbons, endemische Thomas Leaf Affen und lauschten dem Hornbill und was auch immer da so alles rumflog.

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White Handed Gibbon

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Orang-Utan … ich brauche eine neue Kamera 🙁

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Thomas Leaf Monkey

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Honigbären Spuren die einen Baum hinaufführten


Das Video ist leider etwas unscharf, da ich stark zoomen musste!

Das schöne an Jeff´s Restaurantterrasse war, dass ich sogar Nachmittags, mit meinem Kaffee in der Hand, die Gibbons in den Bäumen hängen sehen konnte und der Hornbill Vogel nach uns rief. Die Zeit hier war kurz, aber intensiv. Auf jeden Fall ein besonderer Ort, an den ich zurückkehren werde, wann auch immer das sein wird.

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