17.2 TAUCHEN AUF PULAU WEH/ NORDSUMATRA

Kein Reisen, kein permanenter Zimmerwechsel – es wurde Zeit für ein paar Tage Ruhe.

Ich flog ab Medan, für mich schon der dritte Aufenthalt am dortigen Flughafen, dieses Mal in Richtung Nordsumatra nach Banda Aceh. Die gesamte Küstenregion Aceh ist eine beliebte Touristendestination und angeblich bekannt für seine traumhaften Strände. Das schien mir sehr verlockend. Ein Bungalow am Meer, ausgiebig Tauchen und ein paar Bierchen unterm Schirm – was brauch Mann mehr.

Zugegebenermaßen hörte ich das erste Mal von diesem Ort als Sumatra vom Tsunami im Jahr 2004 schwer getroffen wurde. Viele tausende Menschen wurden von der massiven Welle überrollt oder verschwanden mit dem Sog des ablaufenden Wassers im Meer.

Heute ist davon natürlich nichts mehr zu sehen, zumindest für uns Touristen nicht offensichtlich. Denn viele Gebäude wurden wieder aufgebaut oder restauriert, Museen und Gedenkstätten errichtet. Dennoch, die Menschen, die ich während meines kurzen Aufenthaltes traf, leiden noch heute unter diesem Schicksalsschlag und erzählten mir ganz spontan ihre persönliche Geschichte aus dieser Zeit. Sie alle verloren Familienmitglieder oder ihr Hab und Gut in den Fluten. Mehrere Milliarden Dollar Spenden kamen den Betroffenen zugute, Hilfsorganisationen waren für den Wideraufbau vor Ort. Nur den Verlust von Menschenleben kann niemand ersetzen.

Was ich als sehr interessant empfand war die Tatsache, dass diese Region, gerade durch den Tsunami mit dem einhergehenden Chaos und vielen verfügbaren Spendengeldern, konservativen islamtreuen Parteien die Macht ermöglichte. So wurde Aceh zum einzigen Staat in der Welt, welcher die Scharia ausrief. Das heißt absolut kein Alkohol, keine Drogen, unverheiratete Paare dürfen sich nicht treffen bzw. unterhalten, kein Sex vor der Ehe, Frauen müssen sich komplett bedecken, sehr harte Strafen bei Zuwiderhandlung, etc. Die Berichte im Internet gibt es dazu reichlich.

Kein Problem für mich, denn mein Aufenthalt bestand hier nur aus einer Nacht, mit anschließender Fährüberfahrt nach Pulau Weh. Diese Insel ist nur 2 Stunden Fahrt vom Festland entfernt und präsentiert sich gerne als einer der Tauch-Topspots in der Welt. Am Fähranleger in Banda Aceh kann man wählen zwischen der Normalen Fähre, Abfahrt 7:30 Uhr für 27.000 Rp, und der Schnellfähre, Abfahrt 8:00 oder 9:00 Uhr für 85.000 Rp. Ich mag keine klimatisierten Fähren aber billig, somit war die Entscheidung schnell getroffen.

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Auf der Fähre traf ich glücklicherweise einen Italiener, der, wie sich später herausstellte, sehr gerne mal die ein oder andere Spaßzigarette genoss, und mir half vom Fähranleger auf Pulau Weh in den Ort Iboih per Sammeltaxi, für 50.000 Rp pro Person, zu gelangen. Dieser Ort ist bei Backpackern sehr beliebt. Es gibt dort einen „Dschungeltrail“, welcher nichts anderes ist als ein ganz normaler Waldtrampelpfad aber sich so natürlich viel spannender anhört, auf dem man diverse Bungalowanbieter vergleichen kann. Das tat ich in aller Ruhe und wurde irgendwann auch fündig. Ein Holzhüttchen für 150.000 Rp mit kleiner Terrasse, ohne Meerblick aber angenehm schattig. Die Besitzerin, eine deutschsprechende Indonesierin mit interessanter Lebensgeschichte, war ein echt harter Brocken. Ich verhandelte hart und lang. Genau 2 Tage dauerte es bis sie mir einen Rabatt einräumte. Tja, das Singleleben ist nicht einfach.

Wie auch immer, ich war nicht hier um im Bungalow rumzusitzen. Die anderen Overlander Michael, Jonas und Ellen waren begeistert vom Tauchen, die weltweite Marketing Maschinerie versprach ebenfalls viel, und so stapfte ich los um mir die 3 Tauchschulen im Ort anzugucken.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass alle fast den gleichen Standard bieten. Lediglich die Qualität des Equipments variiert ein wenig. Die Preise sind dafür unglaublich günstig. So bezahlte ich beim Tauchcenter meiner Wahl „Scuba Weh“ am Ende nur noch 15€ pro Tauchgang inklusive dem vollen Equipment. Das hatte ich noch nie gehört. Preise bestimmen allerdings auch immer die Qualität und so war es dann auch. Die Tauchguides haben fast überall im Ort eigentlich keine Zulassung um Tauchgänge zu führen. Ich will nicht abstreiten, dass sie nicht tauchen können oder ihr Revier kennen, aber in Notfällen wissen sie überhaupt nicht was zu tun ist und brüsteten sich gerne mit der Tiefe ihrer Tauchgänge. Ich bin letztlich nur bei dieser Tauchschule geblieben, weil ich mit einem sehr erfahrenen Französisch-Marokkaner im Urlaub mit Ausbildungszulassung(!), die Tauchgänge absolvieren konnte.

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Der Tauchshop im Hintergrund … und guckt Euch erst das geile Auto an!!!

Madhi, sein Name, war ein kleiner Pessimist, aber unglaublich nett und sympathisch. Ich mochte ihn sehr und wir verbrachten fast die gesamte Zeit auf Pulau Weh miteinander. Er erzählte mir viel über das Tauchen, die damit verbundenen Lizenzen, Aufgaben und Orte, welche sich lohnen oder auch nicht. Da er als Instruktor arbeiten darf, engagierte ich ihn, durch „Scuba Weh“, kurzerhand als meinen Ausbilder zum PADI Advanced Diver. So konnte er seine Unterkunft im Urlaub finanzieren und ich hatte einen Taucher, der so ziemlich alles wusste, mir in Ruhe zeigen konnte und zudem noch günstig war. Tiptop!

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Wir beide betauchten so ziemlich alle Spots und nach 12 Tauchgängen fiel das Urteil zu Pulau Weh leider sehr ernüchternd aus. Es wurde viel versprochen, jedoch die Umweltbelastung durch Abwässer, die erhöhte Wassertemperatur und die Überfischung haben diese Unterwasserwelt vermutlich auf Jahrzehnte hin zerstört. Viele Korallen waren mit grünen Algen bedeckt, große Fischschwärme bis auf Ausnahmen kaum zu sehen. Eine Anreise von Deutschland hierher lohnt sich meines Erachtens nach also nicht!

Natürlich gab es Highlights: Das Riff Tokong … (Namen vergessen), der Unterwasservulkan und das Wrack auf 33m Tiefe. Dank meines Lehrgangs und Madhi konnte ich das erste mal meine eigene Kamera mit einem Tauchcover einsetzen. Für mich war das der absolute Wahnsinn und dann auch noch beim besten Tauchgang! Sicher keine Hitverdächtigen Bilder aber zumindest bekommt ihr eine Idee, was da unten so los ist!

IMG_7770_blogIMG_7784_blog  IMG_7811_blog IMG_7758_blog IMG_7751_blog IMG_7748_blogEs herrscht bei vielen Tauchplätzen eine extrem starke Strömung, die mich wie eine Fahne im Wind unter Wasser wehen lies. Einige Male krallten wir uns aus Erschöpfung an den Felsen fest, was mir wiederum definitiv auch Spaß gemacht hat. Dennoch würde ich das Revier, aufgrund der Vielfalt, eher Anfängern empfehlen, dann aber auch nur mit westlichen Guides!

Beste Beispiele: Ein holländisches Pärchen tauchte mit uns, Zulassung bis auf 18 Meter, ohne Erfahrung, mit den Guides auf 35 Meter und stieg anschließend viel zu schnell auf. Am selben Tag gab es keine großen Probleme. Am Nächsten brauchte der Mann reinen Sauerstoff und hatte auch noch einen Flug vor sich. Wenn das ohne bleibende Schäden endete, kann er noch glücklich sein! Ein anderes Mal sahen wir eine Tauchergruppe, die ihren Guide verloren hatten und alleine (!) weitertauchten. Das ist absolut fatal. Ich weiß mit meinen 60 Tauchgängen sicher nicht viel, aber gewisse Regeln und Sicherheiten sollten schon eingehalten werden.

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Wasserfall auf meiner Mopedtour

Rückblickend hatte ich, trotz der geringen Enttäuschung beim Tauchen, eine super Zeit auf Pulau Weh. Die tollen Strände aus den Hochglanzbroschüren konnte ich leider auch während meiner ganztägigen Mopedtour nicht finden. Doch Dank eines Tips fanden wir den Secret Beach nicht weit von unserer Unterkunft entfernt. Wunderschön, einsam, unberührt und unbekannt. Da war er dann doch. Der Topstrand!

Das eigentlich besonders schöne während meines Aufenthaltes waren die Menschen die ich kennenlernen durfte. Ich schnatterte oft mit einer Spanierin, Charlotta, welche 2 Jahre in Thailand auf einem Boot als Tauchlehrer gearbeitet hatte und nun auf den Fiji Inseln ausbilden darf. Einen Deutschen Familienvater aus Freiburg, dessen Namen ich vergessen habe, welcher aber scheinbar noch nie so richtig in Ostdeutschland unterwegs war, und trotzdem nett sein kann. Und ein paar andere Tauchsympatisanten. Es gab einige sehr gesprächsintensive Bierabende, gutes Abendessen bei Mutter Norma und glücklicherweise nicht die typischen Atzenbackpacker ohne T-Shirt auf der Straße.

Aufgrund meines Tauchkurses überzog ich bewusst mein 30 Tage Visa um einen Tag. Noch nie zuvor hatte ich dies in irgendeinem Land getan. Im Internet recherchierte ich und kam zu dem Ergebnis, dass ich eine Strafe von 200.000 Rp. am Flughafen entrichten muss. Knapp 20€ fand ich okay. Am Immigrationsschalter angekommen, versuchte ich das erste mal meine Thomas Müller Nummer voll und ganz auszuspielen. Normalerweise fragen mich immer alle, ob ich der bekannte Fußballspieler aus Deutschland sei. So auch dieses Mal. Ich schnackte fast 30 min. mit dem Offiziellen und hoffte mit etwas geschleime die Gebühr umgehen zu können. Es wurden Kollegen herbeigerufen, Bilder auf dem Handy verglichen und Komplimente gemacht. Irgendwann bekam der nette Herr ein böses Gesicht. Da wusste ich, er hat die Überziehung entdeckt. Ich tat auf doof. Leider vergebens. Am Ende bezahlte ich was von mir verlangt wurde und bestieg den Flieger Richtung Kuala Lumpur. Zurück in die Zivilisation, zurück zu meinem geliebten Mr. Bushi.

Tschüss Sumatra, vermutlich auf ewig Pulau Weh.

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