17.0 GRENZGESCHICHTEN & BACKPACKING AUF SUMATRA IN INDONESIEN

Grenzgeschichten

Indonesien, ein neues Land, neue Möglichkeiten, ein neues anderes Reisen.

Mein Abschied von Malaysia war eine Trennung von meinem geliebten Auto, dem Leben auf der Straße und dem gewohnten Gemeinsamreisen. Ich wollte endlich erleben wie es sich anfühlt alleine zu reisen und tauschte mein 2400 Kg Zuhause gegen einen 8 Kg Rucksack, bestieg den Flieger Richtung Sumatra und landete sanft, wenn auch todmüde, in Medan.

Es gibt verschiedene Touristenvisa für Indonesien. Zum einen habt ihr die Möglichkeit im Voraus in der Botschaft Indonesiens, z.B. in Georgetown, ein Visum für 2 Monate plus 30 Tage Verlängerung für 30€ zu erwerben. Oder aber am Flughafen in Medan einen Monat plus 30 Tage Verlängerung am Schalter VOR der Immigration zu kaufen. Ich entschied mich für ein kostenloses 30 Tage Visum. Das gibt es direkt am Immigrationschalter, dauert 2 Minuten und ist ein simpler Stempel in Eurem Pass. Dieses Visum ist NICHT verlängerbar. Was für mich ideal war, denn länger wollte ich auch nicht bleiben.

Lake Toba

Am Flughafen konnte ich dank eines Tips von einem Australier, welchen ich in Georgetown/ Malaysia kennengelernt hatte, den Busstand von der Firma „Paradep“ ausfindig machen. Zunächst gab es ein paar Verständigungsprobleme, dann bestieg ich, nach langer indonesien-typischer Wartezeit, ein Sammeltaxi, welches ich wiederum auf meiner Fahrt Richtung Lake Toba noch 3 mal wechselte, und erreichte nach 4 Stunden Fahrt und 100.000 Rupies „ärmer“ Parapat.

IMG_7420_blogVon hier aus brachte mich die Fähre auf die Insel Samosir zum Touri-ort Tuktuk. Der See „Lake Toba“ ist mit 1145 km² Fläche der größte Vulkankratersee der Welt und bis zu 500m tief. Viele Einheimische, genannt „Bataks“, fischen hier mit Reusen und Wurfnetzen, oder beherbergen Touristen aus der ganzen Welt. Ich war wirklich erstaunt wie groß dieser Ort doch ist und umso glücklicher, dass ich davon weit entfernt wohnte! Der See ist wunderschön, viel frische Luft, Palmen und angenehme 26 Grad tagsüber waren eine absolute Wohltat nach der schwülen Hitze in Kuala Lumpur! Doch warum war ich eigentlich genau hier?

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Morgendlicher Ausblick vom Balkon

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Klassischer Baustil der Batak Häuser

IMG_7387_blogBevor ich Deutschland verlies las ich ein Buch:

http://www.amazon.de/Hinter-dem-Horizont-links-Jahre/dp/3768833488

Das erste Buch in meinem Leben, welches ich wirklich freiwillig komplett gelesen hatte! Chris fesselte mich mit seinen Geschichten und irgendwie ergab es sich, dass wir in den darauffolgenden Jahren sehr viel durch das Internet miteinander kommunizierten. TukTuk war der Ort an dem ich ihn endlich mal in Person kennenlernen durfte. Auch Ellen und Jonas (intothefar.de), deren Blog ich bereits lange verfolgte, sowie Laura aus Australien und Michael aus Dänemark waren hier. Sie alle waren schon einige Jahre unterwegs.

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Das beste Essen überhaupt – Reis mit Saté, Tacos mit Salat und Guacamole, Schnitzel mit Fritten

Die ganze Truppe verschiffte vor einem Monat ihre Fahrzeuge gemeinsam von Malaysia nach Indonesien. Diese Gelegenheit verpasste ich leider damals und umso mehr freute ich mich ein paar Tage mit Ihnen auf Samosir verbringen zu dürfen. Wir hatten viele intensive Gespräche, das beste Essen seit Mutti, einfach eine unglaublich gute Zeit, die ich schon sehr lange vermisste. Eine kleine Overlanderfamilie, die offensichtlich gut zueinander passte.

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Ich stehe immernoch auf einer Insel … auf der anderen Seite ist das Festland

Gerne hätte ich hier ein bisschen an meinem Mr. Bushi rumgeschraubt, war das Klima doch perfekt dafür und alle Anderen schienen mehr über Autos zu wissen als ich, aber stattdessen recherchierte ich im Internet nach möglichen Reisezielen und ordnete mein Leben ein bisschen, nach all dem vorherigen Chaos. In Phuket kaufte ich mir vor langer Zeit so eine Art Expander, damit meine müden Ärmchen mal wieder was zu tun haben und konnte diesen nun endlich wieder nutzen. Bei den vorherigen Temperaturen von 38 Grad machte das echt keinen Spaß. Hier auf Samosir gab es immer eine angenehme Brise und die Gewissheit im See baden gehen zu können fühlte sich gut an. Ich bin ja ein kleiner Schisser, was Seen anbelangt, da ich immer (!) gerne wissen möchte was unter mir ist und eher selten freiwillig dort rein springe, aber das ein oder andere schnelle Bad war dann doch drin.

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Das super Personal vom MAS Cottage

Überland durch Sumatra

Laura und Chris verabschiedeten sich nach ein paar Tagen mit dem Ziel Padang. Da ich nicht unter Zeitdruck stand boten mir Jonas und Ellen an mit Ihnen im Landrover ebenfalls in diese Richtung zu fahren. Da konnte ich einfach nicht Nein sagen! Statt also immer selber fahren zu „müssen“, gabs nun für mich die kommenden Tage die „heiße Mitte“ auf dem Getriebe im ewig schnaufenden Geländewagen.

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Camping an der Hauptstraße … nicht die letzte Nacht im Zelt für mich

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Kurzer Stop an der Equatorgrenze – Ziel: Süden

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Die Einen essen Huhn, die Anderen … naaa, wer errät es?

Wenn man so ein Auto besitzt, fährt man natürlich nicht die normale Straße. Kann ja Jeder. Also links ab, durch kleine Dörfer und holprige Pisten, Richtung Harau Valley. Die Straße, welche wir befuhren, konnte man nur bei Googlemaps sehen und nicht in den OSM Karten, deshalb hier die Koordinaten, falls jemand Lust auf Abenteuer hat:

Start bei -0.15265 / 100.30022 bis Hauptstraße -0.03656 / 100.34563

IMG_6870_blogIMG_7512_blogFür diese Strecke von 60 km benötigten wir 4 Stunden. Viele Dorfbewohner freuten sich sehr uns zu sehen und wir uns durch diese wunderschöne Landschaft zu schaukeln. So gefiel uns Sumatra! Michael, unser Däne, machte allerdings einen kleinen Fahrfehler, welcher mir am Anfang mit dem Auto auch schon passierte. Erste Regel beim Offroad fahren: Nimm immer die ausgefahrene Spur und niemals die Mitte. So blieb er halb im Schlamm stecken und kippte um. Es ist natürlich nichts passiert, außer, dass das halbe Dorf Gabel und Löffel fallen lies und aus dem Haus stürmte (in indonesischer Geschwindigkeit) um uns zu helfen. Michael war die Situation natürlich ein wenig peinlich aber solange man es einfach mit einem Lächeln abtun konnte, war ja alles gut. Das bleibt bestimmt DAS Dorfgespräch für die nächsten Tage.

IMG_7516_blogEs sind ja immer die unvorhersehbaren Ereignisse, welche eine Reise besonders machen, ob nun gut oder schlecht, sei mal dahingestellt. So hatten wir im letzten Dorf dann einen weiteren unfreiwilligen Stop. Ein LKW war rückwärts den Abhang hinunter gerutscht und es gab unendlich viele Schaulustige und Helfer um diesen zu bergen. Ein Weiterkommen also vorerst undenkbar. Die Ladefläche wurde deshalb im Fluss kurzerhand demontiert, der Truck mit einer Handwinde, befestigt an einer Palme, mit Manneskraft wieder hochgezehrt und nach nur einer Stunde Wartezeit ging es für uns weiter. Der ADAC hätte sicherlich länger gebraucht!

IMG_7526_blogDurch diese ungeplanten Pausen war nun die Zeit und das Wetter leider gegen uns. Im strömenden Regen fuhren wir, im Innenraum typisch tropfenden Landy, und Michael, komplett durchnässt auf dem Motorrad, ins Harau Valley. In der Dunkelheit dort angekommen begutachteten wir leicht grummelig diverse Pensionen, da der Preis im Verhältnis zum angebotenen „Objekt“ in keinem Verhältnis stand. Letztlich kauften wir ein paar Biere, entschieden uns für ein kleines Häuschen im Grünen mit Milliarden von Mücken und gingen ohne Abendessen aber leicht angetrunken zu Bett. Herrlich.

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Harau Valley

Die meisten, vor allem indonesischen, Touristen reisen in diese Gegend wegen der unzähligen kühlen Wasserfälle und sehr angenehmen Temperaturen. Eine durchaus beeindruckende Landschaft mit vielen scharfkantigen Karstbergen, welche mich ein bisschen an das Elbsandsteingebirge, nur in den Tropen, erinnerte, und herrlich dichtem Wald. Besonders bei Starkregen waren die herabstürzenden Wassermassen immens!

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Kinder-Rush-Hour

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ab 18 Uhr sah es dann so aus

Doch der Grund unseres Aufenthaltes war ein anderer. Das Harau Valley ist eine noch in den Startlöchern steckende Kletter- und Wanderregion. Es gibt hier einige sehr steile Wände zu erklimmen, was Jonas auch ehrgeizig versuchte, da er alles an Equipment dabei hatte, jedoch am schlechten Wetter und fehlender Sicherungen, scheiterte.

P1030900_blogDeshalb versuchten wir es mit Wandern. Hört sich einfach an, war es anfangs auch.

Dann setzte jedoch tropischer Regen ein. Es regnete Binnfäden ohne Ende und der Bach, in dem wir den Berg hinaufgingen, schwillte zusehends an. Wir überlegten mehrfach, mit nassem Schlüpfer, ob wir umdrehen sollten aber diese herrliche Gelegenheit im aufgeweichten Regenwald herumzuspringen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Der innere Schweinehund war stärker und so erreichten wir nach 3 Stunden überglücklich den Gipfel.

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Harte Typen … und das alles ohne Navi! Wir haben uns nur auf Ellen verlassen 🙂

Einen Tag zuvor hatte ich einen super Campingplatz, welcher eigentlich ein Parkplatz sein sollte, am Fuss des Berges inmitten des Tals entdeckt. Wir schlugen dort kurzerhand unsere Zelte auf und verbrachten 2 weitere Tage in der Natur. Dieser Ort lies unser Overlanderherz höher schlagen und  die Besitzerfamilie erfreute sich an den ungewohnten Fahrzeugen und zugehörigen Weißbroten auf Ihrem Grundstück. Von der touristischen Infrastruktur her wird sich vermutlich in diesem Tal noch vieles verändern, aber da wir hier in Indonesien sind … wird es wohl glücklicherweise noch sehr lange dauern!

P1040205_blogIch hatte in den letzten 2 Wochen eine absolut wundervolle Zeit mit Ellen, Jonas, Michael, Chris und Laura. Hätte ich mein Auto nach Sumatra verschifft, würde ich vermutlich ewig an Ihnen kleben! Ich danke Euch für alles, hoffe ihr bleibt so wie ihr seid und sehe Euch irgendwann einmal wieder! Leider mussten sich unsere Wege in Bukitinggi trennen, da ich nur ein begrenztes Visum hatte und eigentlich noch, wie anfangs erwähnt, solo reisen wollte. Nunja … also dann eben alleine weiter mit dem Rucksack …

 

 

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