12.0 GRENZGESCHICHTEN

BANBASA – MAHENDRANAGAR oder INDIEN – NEPAL

Geradeso passen wir am 26. Oktober 2015 zusammen mit entgegen kommenden Motorrädern auf die Dammbrücke des breiten Flusses Khola. ehrlich, der hört sich nur so an wie ein klebriges Gesöff, ist es aber nicht. Der indische Grenzposten befindet sich direkt auf der anderen Flussseite. An dem Gebäude, in dem der Herr Beamte in seinen vor seinen Listen sitzt, wird noch gebaut. Na gut, es sieht so aus, als würde noch gebaut, aber zur Zeit eben nicht. Die frechen Makaken, die um jede Knistertüte Chips an den Ministänden buhlen, finden das sicherlich alles prima, ein reiner Kletterzirkus, jetzt inklusive unserer Fahrzeuge. Während der Passkontrolle also beschäftigen wir uns nebenbei mit der Affenjagd und trinken frisch gekochten Milchtee vom Ständchen nebenan. Von jeder Person wird ein Foto geschossen, die Pässe eingescannt und anschließend alle Daten wieder geduldig in eine Liste eingetragen. Obwohl alles Notwendige in den Pässen zu lesen ist und der Beamte des Englischen mächtig ist, müssen wir trotzdem jede Angabe von vorne buchstabieren. Wieder mal ein klassisch indischer Behördengang. Immerhin sind wir die einzigen Fahrzeuge heute, kein Wunder, in Nepal herrscht seit mehr als einem Monat Treibstoffmangel an Benzin, Diesel und Gas. Es fährt kaum ein Schwein über die Grenze, außer uns natürlich, wenigen Motorädern und zwei holländischen Rucksackreisenden. Bis auf die Affen ist hier jeder tiefenentspannt. Im dahinter liegenden, weiß gestrichenen Gebäude werden die Carnéts abgestempelt, kurz unter die Motorhaube geguckt, nach der Motor- und Chassisnummer gefragt – fertig. Eine sehr entspannte Grenze und für indische Verhältnisse auch zügig. Die leere Asphaltstraße ein Stückchen weiter stehen wir an einem Schlagbaum und einem Wachthäuschen, in dem sich die nächste, aber definitiv die letzte Liste befindet. Also nochmal von vorn mit den Pässen.

Die zu schmale Dammbrücke

Die zu schmale Dammbrücke

Die nepalesische Grenze liegt hinter dem Schlagbaum, hinter einer kurzen Flussbrücke, hinter baufälligen Baracken und schließlich entlang einer ruhigen und immer noch leeren Hauptstraße. man glaubt’s ja immer erst, wenn man es leibhaftig sieht: der Treibstoffmangel ist tatsächlich todernst! Die Passkontrolle, wo auch das Visum ausgestellt wird, befindet sich in einem schicken Gebäude mit Grünfläche auf der linken Straßenseite. Der Raum ist offen nach außen, wie auch schon bei der indischen Kontrolle. Die Herren Beamten tragen weiße Kittel und lustige Stewardessenhütchen. Wir füllen zwei hauchdünne Formulare aus, die Immigrationskarte und den Visumsantrag, 1 Passfoto kleben wir pro Nase auf je einen Antrag, 80 US Dollar zusammen – bitte schön. Auch das ist erledigt. Sollten wir etwa Mittags durch sein mit dem Thema?

Kleiner Affenzirkus an der Grenze ... (links auf der Motorhaube!!!)

Kleiner Affenzirkus an der Grenze … (links auf der Motorhaube!!!)

Das Carnét wird auf der rechten Seite etwas die Straße aufwärts in einem apricot farbenen Gebäude abgestempelt. Während wir Damen der Schöpfung das Hockklo hinter dem Gebäude aufsuchen, wird das Carnét unter der Aufsicht und Anleitung von Thomas und Darren im Gebäude abgenickt. Nicht einmal großartig kontrolliert wird hier. Die Nepalesen haben offensichtlich ganz andere Sorgen. Zwischendurch tauschen Lisa und ich ein paar indische Rupien in nepalesische bei einem “Money Exchanger” um, damit wir uns auf die Schnelle die schlechtesten Chowmein – chinesische Bratnudeln – essen können. Die Unmengen an kleinen grünen Chilischoten brennen heute noch im gebeutelten Magen! ja, wir sind am frühen Nachmittag, fast sogar noch Mittag mit allem durch. Wahnsinn!

Im Vergleich zu Indien wirkt der Auftakt in Nepal paradiesisch, was nicht zuletzt am leidlichen Treibstoffmangel liegt: tropisch grün, kaum Müll, kein Gestank und kein Verkehr. Die Hauptstraße entpuppt sich als ein zu groß geratener Fahrradweg durch wunderschöne Dörfer, Reisfelder und Wälder. Die Hupe hat Pause, die Bremsen auch und der Puls geht endlich mal unter die 180 … Der Frieden auf Erden.

2 Kommentare

  1. Aaron

    Sehr spannend das ganze! Am Sprit mangelt es hier (USA) zum Glück nicht. Die Gallone kostet momentan um die 1,70$. Herrlich… Euch weiterhin eine gute und sichere Fahrt!

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    1. Sarah und Thomas (Beitrag Autor)

      Hey Aaron Das sind ja Zustände bei dir 🙂 Jetzt bei uns in Indien gibt’s auch wieder alles – benzin bei 90 Cent der liter Hast du anfang nächsten jahres nochmal urlaub geplant? Bis demnächst

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