11.1 HIMACHAL PRADESH I

Es dämmert. Die Sonne färbt den Abendhimmel in zartes orange-rosa. Geheimnisvolle Tempelmusik erfüllt die feuchtschwüle Luft. Barfuß und leise umrunden wir langsam das große Wasserbecken im Innenhof des Goldenen Tempels in Amritsar. Wir bekommen Gänsehaut. Magie liegt über dem heiligsten Sikh Tempel Indiens – dem Hamandir Sahib. Ein buntes Meer aus Turbanen und Saris, Menschen, egal welcher Konfession, welchen Alters, welcher Kultur, welchen Geschlechts oder Kaste zugehörig, suchen täglich diesen Tempel auf, um einmal im Leben die heiligsten Texte der Sikh sehen zu können, die dort aufgebahrt sind.

Hamandir Sahib

Hamandir Sahib

Vor lauter Staunen über die Musiker, die vor dem Buch im Tempel spielen, die melodischen Klänge der indischen Musikinstrumente, die alte Frau, die den Boden vor mir küsst, die Männer, die sich an uns dicht vorbeidrängen, um das Buch zu sehen, der Wachmann mit Turban auf dem Kopf, der dafür sorgt, dass niemand stehen bleibt und der betörende Duft der Räucherstäbchen, übersehen wir glatt dieses kostbare Buch im Vorbeigehen. “Blindes Huhn!”, schimpfe ich über mich selbst.  …  Doch märchenhafter hätte der Auftakt in Indien nicht sein können!

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Da drinnen liegt die heilgste Schrift der Sikhs

100.000 Besucher täglich – entsprechend groß ist die Tempelküche. Keine Frage, hier werden wir und ganz besonders Thomas sicherlich satt! Auf den Treppenstufen zur Essenshalle werden Metallteller, Schüsseln und Besteck gereicht.  In der Halle selbst hocken wir uns im Schneidersitz an das Ende der letzten Reihe, aus einer kunterbunten Mischung aus Indern, die man sich so vorstellen kann. Eine Sekunde später folgt bereits der erste, liebevolle Kellenklatsch Dal (Linsenbrei) auf die eine Seite des Tellers, dann Milchreis, Masala und Chapati. Kleckert was daneben, keine Sorge, der Putzjunge wischt sofort hinterher. Es wird kräftig nachgereicht: Chapatiiiiiii??? DalDalDal??? More??? Die Reihe, in der wir sitzen, hat sich schon wieder aufgelöst, neue werden an einem andere Ende wieder aufgemacht, als Thomas erneut um Nachschlag bittet. Auch wenn wir nun schon mehr als einen Monat gemeinsam reisen, den Aussies fallen bei Thomas gesundem Appetit nach wie vor die Augen heraus:  “Wie kannst du nur so viel essen? Es ist unglaublich! Bei der Menge würden wir aufgehen wie Hefeklöße! Dabei siehst du immer noch so dünn aus.” Ja, wirklich, und ich wette, Thomas würde gerne mal ein bisschen zulegen.

Die Zeremonie an der pakistanisch-indischen Grenze Wagah ist nach dieser Mahlzeit einfach vergessen. Wir vergnügen uns lieber mit sehr weltlichen Dingen in Mrs. Bhandaris Guesthouse, die wir eine ganze Ewigkeit nicht mehr gehabt haben, wie zum Beispiel eine Runde im kühlen Swimming Pool bei Nacht drehen und dabei ein eiskaltes Bier trinken. Manchmal werden eben einmalige Touristenattraktionen zur absoluten Nebensache und es stört absolut niemanden.

Auf dem Weg zur SIM-Karte

Auf dem Weg zur SIM-Karte

Der Kauf einer indischen SIM-Karte von Airtel am nächsten Tag gestaltet sich schwieriger als geplant. Wir brauchen ganze zwei Stunden, um eine SIM-Karte erwerben zu dürfen – ja, wir sprechen hier von dürfen, denn “Mother India has everything under her control,” das lernen wir jetzt jeden Tag – und anschließend sieben Stunden, bis sie tatsächlich funktioniert. In der Filiale erfahren wir, dass für uns unglaubwürdige Ausländer jemand in Indien eine Art Bürgschaft hinterlegen muss, was in so einem Fall die Unterkunft macht, in der man übernachtet. Gut, dass wir gerade ausgecheckt haben! Nachdem uns allen klar ist, ohne Guesthouse geht gar nichts, fahren Thomas und ich mit dem Tuktuk einmal quer durch die stickige Stadt zurück zu Mrs. Bhandaris, um einen Zettel vom Manager ausstellen zu lassen, dass wir auch ja “trustful” sind. Und “mal so eben” ist in Indien nicht.

Wenn wir mal wieder warten müssen, gibt' s Chai und Shanti-shanti

Wenn wir mal wieder warten müssen, gibt‘ s Chai und ’nen Snack.

Das Tuktuk muss unterwegs betankt werden, beim Guesthouse sind wir keine Kunden mehr, das Ausfüllen des Zettels geschieht in Ruhe und Frieden – shanti shanti – der Tuktukfahrer steckt im Stau … uuurrrg, dabeiwollenwirdochbloßeineSIMKartekaufenundInternetzuganghaben!!! So ungefähr muss es jedem Drogensüchtigen auf der Welt gehen, wenn er nicht sofort das bekommt, was er so dringend braucht. Das unsinnige Internet hat uns voll im Griff, so was Lachhaftes, ja, wir lachen kräftig darüber.

Regional Mountaineering Centre - Campspot bei McLeodganj für 200 Rupien

Regional Mountaineering Centre – Campspot bei McLeodganj für 200 Rupien

Unsere Reise durch den Bundesstaat Himachal Pradesh könnte “untypischer indisch” nicht sein. Von 29 Bundesstaaten ist Himachal Pradesh einer der am wenigsten dicht besiedelten Regionen Indiens. Und in den Bergen entdecken wir doch eher buddhistische bzw. tibetische Kultureinflüsse als das hinduistische Chaos der tiefen Ebenen. Entgegen aller Reisegeschichten der Australier sind die Straßen weder voll, noch exorbitant schlecht, weder stapelt sich stinkender Müll an den Straßenrändern, noch erleben wir extremes Verkehrschaos. Vielleicht haben wir uns dem klassischen Verhalten der Verkehrsteilnehmer aber auch schon so angepasst, dass wir von dem eigentlichen Chaos keine Notiz mehr nehmen.

Der tägliche Blick durch die Frontscheibe

Der tägliche Blick durch die Frontscheibe

Na, obwohl, Thomas flucht doch an und wann oder öfter als mir lieb ist: “Verdammter Penner!!!”, wenn uns ein Bus mit laut in acht Oktaven trötender Hupe auf einer viereinhalb Meter schmalen Straße schneidet, die zu einer Seite mindestens 400 Meter abschüssig ist. Der Klassiker sind jedoch die Autofahrer, die sich bereits 100 Meter hinter uns in ohrenbetäubender Lautstärke und stoischem Huprhythmus ankündigen, ewig ausscheren, sich nicht trauen zu überholen, es irgendwann doch tun, um dann 200 Meter weiter vor uns anzuhalten und am Straßenrand pullern gehen. Sie freuen sich dann auch noch, uns zu sehen, lächeln uns nickend zu, winken sogar, denn uns und solche Fahrzeuge sieht man ja sonst nur auf dem “Discovery Channel”, während wir – vor allem die Fahrer  – uns gerade so zusammenreißen können, nicht hinauszubrüllen, dass wir sooo kurz, aber auch wirklich SO kurz dem Tod entronnen sind und es wäre ja wohl ganz allein ihre Schuld, ob sie nicht alle Tassen im Schrank hätten?! Nein, wir ringen uns ein Lächeln ab und fahren schnell vorbei, auf dass der Fahrer uns bald wieder überholen wird.

... und immer schön das Klo benutzen, wenn man mus ...s

… und immer schön das Klo benutzen, wenn man muss … (Bild am Heck eines Schulbusses)

Die Fern- und Schulbusse vor uns stinken mit ihren ungefilterten Dieselabgasen zum Himmel. Sobald die Straße an einem der unzähligen Nadelöhre mit zwei Bussen und einem Kleintransporter verstopft ist, kleben wir – jetzt auch wild hupend – an deren Auspuff, damit sich kein verrückter Inder noch dazwischen drängelt. Ob Passivrauchen wirklich schlimmer als das hier? Die Entscheidung fällt manchmal äußerst schwer, die Fenster geschlossen zu halten und schweißgebadet dem Gestank aus der Lüftung auszuharren, oder die Fenster herunterzukurbeln, dem echten Gestank auszuharren und gegebenenfalls Staubkörner in Nase, Zähne und Ohren zu haben. Thomas’ und selbst Darrens buddhistischer Geduldsfaden sind bis aufs Letzte gespannt, ganz besonders im dauerhaften Hupkonzert. Leider haben wir noch nicht feststellen können, dass es die authentischste Musik Indiens ist. Die eigenen Hupen sind im Dauereinsatz. Manchmal laufen sie heiß und eines Morgens steigt sogar Rauch an unserem Lenkrad auf. Nach einer kurzen Durchsicht und Reinigung funktioniert die hupe zwar ohne Rauch, doch sie kommt über den Ton einer Schnatterente nicht mehr hinaus.

Camping mit Aussicht unterhalb des Shiva Tempels von Baijnath

Camping mit Aussicht unterhalb des Shiva Tempels von Baijnath

Wir werden kaum behelligt, wenn wir uns Abends an einen Fluss, in einen Wald oder direkt neben der Straße aufstellen. Unsere Erwartungen an starrende Gruppen aus vielerlei Indern waren angesichts der australischen Berichte, aber auch von anderen Reisenden, entsprechend hoch. Da fällt der ein oder andere Inder, der kurzzeitig an unseren Autos entlang schleicht, stehen bleibt und einfach nur glotzt, gar nicht mehr ins Gewicht. Vielleicht liegt das auch an der Menge der Reiseteilnehmer unseres Expeditionsteams. Schnell stellt sich heraus, dass morgens und abends stets so viel Zeit ist, störungsfrei zu essen. Gesellt sich dann doch mal eine Menschentraube zu uns, das meistens Abends, sobald die Lichter bei uns an sind, schalten wir sie nach einer Weile wieder aus.

Ausblick vom Campspot in Baijnath

Ausblick vom Campspot in Baijnath

Dann verdünnisiert sich die Traube von selbst, schließlich gibt es ja nichts mehr zum Gucken. Die erste und letzte Nachtstörung begegnet uns in der ersten Freiluftnacht hinter Amritsar, am westlichen Ufer des Pong Reservoirs. Die einzige freie Fläche bietet sich unter einem weitausladenden, heiligen Feigenbaum inmitten des subtropischen Bergwaldes. Im Dunkeln erhalten wir Besuch von Taschenlampe, Stock und zwei grimmigen Männern, die sich als Hüter vom Forest Department ausgeben. Was wir denn hier wohl täten? Campen, was sonst, antworten wir. Nachdem wir nach einer Weile mit möglichst einfachen Vokabeln klar machen können, dass wir bloß Touristen sind und keine Jäger, ziehen sie zögerlich ab. Doch mitten in der Nacht leuchtet die Taschenlampe wieder in das australische Dachzelt und das gleiche Frage-Antwort-Spiel beginnt von vorne. Darren überlegt jetzt, nackt aus dem Zelt zu steigen, denn das hilft meistens, erzählt er uns  am nächsten Morgen, vor allem, wenn man weiter schlafen möchte. Gott sei Dank ersparen sie uns das Spektakel, so helle waren die beiden Miesepeter dann doch noch.

Die grünen Berge zwischen Mandi und Bajaura

Die grünen Berge zwischen Mandi und Bajaura

Die meiste Zeit in diesen Stunden in Himachal Pradesh verbringen wir also auf den windigen Bergstraßen. Meist sind es noch dazu Nebenstraßen, die zwar leer, aber einspurig sind. Jedes entgegenkommende oder überholende Fahrzeug ist ein Hindernis. Doch die grünen Berge, denen jeder Meter in Terrassen abgerungen wird, sind beeindruckend, die Luft sauber und klar, die Dörfer ursprünglich. Kein Vergleich dazu sind das Städtchen Daramsala und das angrenzende McLeodganj. Hier lebt der Dalai Lama im Exil, wenn er denn von seinen etlichen Auslandsaufenthalten einmal zurückkommen würde. Leider kommen wir nicht in den Genuss, eine Audienz bei ihm zu erleben, denn er ist, wie so oft, gerade in Amerika. Aufgrund seiner Heiligkeit ist der Ort ein großer Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. Alle denkbaren, westlichen Annehmlichkeiten, von denen wir schon so lange geträumt haben, sind hier zu finden: richtiger Kaffee, richtiges Brot und richtiger Käse. Doch so schön auch dieses kulinarische Schlaraffenland sein mag, sehr viel können wir dem Ort nicht abgewinnen. Alle tragen diesen seltsamen, bunten Ethno-Look, den niemand Zuhause selbst tragen würde. Alle machen einen auf Easy, obwohl sie es in Wirklichkeit gar nicht sind. Alle fahren voll auf Meditation, Selbstfindung und Erleuchtung ab, was die wenigsten Zuhause weiter praktizieren würden. Eine reine  Meditationsindustrie hat sich in diesem vor Jahren noch unschuldigen Ort gebildet, dem ich persönlich nichts an Echtheit und Ehrlichkeit mehr abgewinnen kann. Wir Touristen versauen’s doch immer wieder.

Shiva Temple von Baijnath

Shiva Temple von Baijnath

Über das Kangra Valley und Baijnath fahren wir weiter nach Manali, der Marihuana-Hochburg und der Region, wo die meisten Backpacker auf unheimliche Weise vom Erdboden verschwinden. Vermisstenanzeigen blitzen ab und an an Straßenlaternen und Fensterscheiben auf. Das Thema verlorener, junger Seelen im Drogennebel von Manali und deren sich auf die verzweifelte Suche begebender Eltern hat es sogar zu einer Reportage in ein GEO Spezial Magazin geschafft. Wir suchen hier auch verzweifelt nach etwas, aber eher ungefährlicherem … nach einem Schlafplatz und nach einem Weg, den Rohtang Pass (3975 m) zu überqueren. Ersteren finden wir in Naggar, südlich von Manali, nachdem eine unproblematische Rückkehr auf einer gefährlichen Piste unmöglich wird. Ja, ich weiß, wir wollten nur ungefährliche Dinge tun … Doch jeder empfahl uns die Piste hoch zum Forest Department – wo auch immer dieses existieren mag –  mit den Worten “You have a Four Wheel Drive, no problem!” oder “In ein bis zwei Kilometern folgt eine ebene Fläche, da müsste Platz sein für euch.” Der letzte Aussage stammt übrigens von einem Franzosen … Thomas hat sich “gefreut”.

Hart erkämpfter Schlafplatz oberhalb von Naggar

Hart erkämpfter Schlafplatz oberhalb von Naggar

Mit jedem Meter, den wir uns auf der Buckelpiste von 2000 auf 2500 Höhenmetern hochkämpfen, schwindet die Möglichkeit, schnell wieder umzukehren. Und irgendwann lohnt es sich nicht mehr umzukehren, da beißt man einfach nur noch die Zähne zusammen und hofft das Beste. Die einzige freie Fläche oben auf dem Berg, der kein immer noch Ende nimmt, ist ein kleiner Park- und Baustelleneinrichtungsplatz in einem Dorf. Für uns Frauen gibt es kaum Platz, den weißen Hintern hinausstrecken, aber es ist ja jetzt Gott sei Dank dunkel. Nach neugierigen Fragen der Dorfbewohner werden wir zum Essen eingeladen. Es gibt Reis und Dal in einem noch nicht fertig gestellten Holzhaus. Der Besitzer erklärt uns, dass er mittlerweile sechs Jahre daran baut. Immer wenn Geld da ist, geht es wieder ein bisschen voran, slowly, slowly. Er habe im Dorf und in Naggar noch ein paar Häuser, die er vermieten kann. So kommt etwas Geld in die Kasse. Sein Sohn studiert Kunst, das will auch finanziert werden. Wir staunen.

Hadimba Tempel in Manali

Hadimba Tempel in Manali

Am Morgen stocken wir unsere Lebensmittelvorräte auf dem Markt auf und besichtigen den Hadimba Tempel in einem kühlen Wäldchen. Habe ich schon erwähnt, dass die Aussies Tiere mögen? Ach was, ich untertreibe maßlos. Sie lieben Tiere, so sehr, dass sie alles und jedes, das vier Beine hat, anfassen müssen. Gehen wir gemeinsam irgendwohin und sind die Aussies plötzlich verschwunden, wissen wir, da war wieder so ein niedlicher Vierbeiner … oh, und es kann dauern, bis sie zu uns aufschließen. Diesmal sind es weiße Puschelhasen, die für eine Fotopose am Eingang des Hadimba Tempels angeboten werden. Thomas und ich machen bei so einer Show gleich die Biege, denn wir finden es beide befremdlich, auch wenn die Tiere vielleicht ein besseres Leben haben mögen, als ihre ländlichen Artgenossen. Aber die Australier bleiben natürlich bei den riesigen Wattebällen eine halbe Ewigkeit hängen. Ach, und vorher stand ja noch ein wuscheliges Yak …  Im Tempel, in dessen Inneren ein Fels liegt, an dem das Mädchen Hadimba aufgrund der Liebe zu einem Gott selbst zur Göttin geworden ist, erhalten wir unsere erste Segnung in Indien.

Same procedure as every day: Chai und Thali zum Mittag

Same procedure as every day: Chai und Thali zum Mittag

Wir wollen weiter, gen Norden über den Rohtang Pass in das Spiti Valley, wo es beeindruckende tibetische Klöster gibt und die Berglandschaft uns den Freiraum und die Wildnis bietet, die wir uns immer wieder so gerne wünschen. Doch uns erwartet am Check Point kurz hinter Manali Ernüchterung. Wir benötigen eine Genehmigung und ein Pollution Certificate, um den Pass zu überqueren. Letzteres zu bekommen, ist kein Problem. Irgendwo an einer Tanke bekommt man dieses dubiose Abgas-Zertifikat. Die Genehmigung ist ein ganz anderer Schnack. Erste Grundregel seit Juni 2015 da lautet: Alle Fahrzeuge, die älter als 10 Jahre sind, werden von einer Genehmigung ausgeschlossen. Piffpaff, aus die Maus. Wir sind ja schon 21 … Im Department Sowieso – Name vergessen – das sich in einer Seitengasse hinter dem Tourist Department befindet, werden diese Genehmigungen ausgestellt. Doch es wird sofort nach dem Fahrzeugbrief gefragt, da ist Schummeln unmöglich. Wir haben diesmal keine Chance, nicht mal unsere großen Kulleraugen machen Eindruck. Wieso auch immer, andere Reisende sind im Sommer 2015 mit wesentlich älteren Fahrzeugen dorthin gefahren und haben die Genehmigung einfach so bekommen, doch indisches “Recht und Ordnung” scheinen hier angezogen worden zu sein. Man kann auch ein Onlineformular ausfüllen, eröffnet uns der Offizier am Check Point. Nichts leichter als das! Doch wir benötigen dafür ein indisches Kennzeichen. Sollen wir vielleicht genau jenes von dem Auto nehmen, das direkt vor uns steht? Lange gehen wir sämtliche Möglichkeiten durch, die wir haben, doch am Ende erscheint uns alles falsch. Es soll nicht sein, aus welchen Gründen auch immer. Und schon reden wir uns die missliche Lage wieder schön: wir werden vor einem Schneesturm, vor einem schrecklichen Absturz die Felskante hinunter, vor dem zeitlichen Dilemma, vor Krankheit, und vor wer weiß was bewahrt, das uns zustoßen könnte.

Everything is perfect as it is. Alles ist gut, alles ist perfekt wie es ist. Diese Aussage der Australier wird nun zu unserem täglichen Mantra aller folgenden Reisetage, an denen irgendwas nicht so läuft wie es unseren Erwartungen entsprechen sollte.

 

2 Kommentare

  1. cathfrosch

    Hallo ihr Hübschen! Ich würde ja zu gerne mal wissen wie das Auto/die Schlafmöglichkeit der Australier funktioniert. Falls es mal langweilig wird und das nicht die Privatsphäre angreift, könntet ihr ja vielleicht eine kurze Erklärung, gerne mit Fotos, geben. Ansonsten gute Fahrt und ganz liebe Grüße aus Galicien!

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    1. Sarah und Thomas (Beitrag Autor)

      Hey Cath, also die Schlafmöglichkeit der Aussies ist ein aufklappbares Dachzelt. Die Firma heißt Howling Moon und kommt aus Afrika. Das Teil wird lediglich zu einer Seite aufgeklappt, wenn die Schutzplane natürlich ab ist. An der Klappseite ist eine ausziehbare Leiter angebracht. Wenn einer oben auf dem Dach des Fahrzeugs steht und die Seite, die sich bewegen lässt, herunterklappt, kann der andere, der unten steht, die Leiter greifen und die Seite stabil herunter ziehen. Die Leiter ist somit die Stütze für die äußere Liegefläche. Das Dachzelt ist jetzt bewohnbar. ‚Ne dünne Matratze und Schlafsäcke passen auch im zusammengeklappten Zustand rein, muss man nicht mal ständig rausholen. Eine ziemlich coole Sache, das Teil. Haben selbst mal drin gesessen und es ist wirklich sehr geräumig da oben. Bloß der nächtliche Toilettengang ist nicht ganz so entspannt … 😉

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