8.1 PIK LENIN und so weiter

Seit unseren ersten Planungen für Zentralasien wollten wir zum Pik Lenin (7134 m), einem der höchsten Berge Kirgistans und für uns der nun mehr größte und letzte aller “Lenins”, den wir in den ehemaligen Sowjetländern zu sehen bekommen. Er sitzt direkt auf der Grenze zwischen Tadschikistan und Kirgistan und ist der zweithöchste Berg beider Länder. Für viele Bergsteiger ist er einer der leichtesten 7000er, der zu besteigen ist. Sein Basecamp in den Sommertagen von Juli bis August entsprechend ausgebucht. Aber die Saison ist schon vorbei, erfahren wir am Guesthouse vom CBT in Sary Mogol. Das Basecamp könnte schon geschlossen sein, für das normalerweise eine Border Permit erforderlich ist. Nicht, dass wir auf unserer Reise noch eine komplette Bergsteigerausrüstung mit um die halbe Welt führen, um auf einen 7000er zu steigen; nein, wir bewundern Berge gerne von unten aus sicherer Entfernung. Doch die andere Piste zum kleinen See Tolpur, der sich kurz vor dem Pik Lenin in den Hügeln ausbreitet, ist befahrbar auch ohne Genehmigung. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, trotz aufziehendem Sandsturm.

Alte Sowjetradarstation 1km vor Sary Tash

Alte Sowjetradarstation 1km vor Sary Tash

Im Dorf kaufen wir schnell grüne Bohnen auf dem staubigen Markt. Innerhalb von wenigen Minuten knirscht Sand zwischen den Zähnen, die Augen brennen und die Armaturen im Auto sind noch staubiger als vorher. Wir verzichten deshalb auf lange “Was-brauchen-wir-denn-noch-Überlegungen”, es bleibt nur bei den Bohnen. Wir verduften durch die dürre, windgepeitschte Ebene des  Alay Tals in Richtung Süden zum Pik Lenin, den wir mittlerweile gar nicht mehr sehen können. Braune Waschküche, wohin das brennende Auge reicht. Das sah beim Grenzübertritt heute Mittag aber noch ganz anders aus. Sonne, blauer Himmel mit schönen Wolken, eine schneebedeckte Gebirgskette bis zum fernen Horizont. Hätten wir das gewusst, hätten wir uns mit dem Einkaufen und Tanken in Sary Tash etwas mehr beeilt. Doch ich wollte unbedingt eine Geburtstags-Email an meine Oma abschicken – mal eben so – doch daraus wurde eine ganze Stunde, weil die Dorfantenne nicht ganz so stark war wie sie aussah. Hmpf. Wenigstens sind wir an der Tanke in Sary Tash noch unsere letzten Somonis losgeworden, denn hier ist man noch flexibel in den Zahlungsmitteln.

Wandern nahe Pik Lenin

Wandern nahe Pik Lenin

Südlich von Sary Mogol quert die Piste einen rauschenden Fluss. Gott sei Dank dürfen wir die wackelige Pontonbrücke links liegen lassen und die stabilere Stahlbrücke nehmen. Es ist immer gut, wenn man eine Wahl hat! Ab da geht es durch eine abgegraste Ebene, in der sich jeglicher Sturm zu einem Sandsturm aufbaut. Da haben Schafe und Ziegen wieder volle Arbeit geleistet. Sobald wir in den ersten hügeligen Ausläufern des Trans-Alay-Gebirges verschwinden, flaut der Sturm ab, es wird grüner und feuchter, die Sicht endlich klarer. Ein kleiner Bach kullert durch ein ebenso kleines Tal. Die Richtung zum See Tolpur ist jetzt sogar “ausgeschildert” mit pinkfarbener Schrift auf braunem Fels. Kann man nicht verfehlen. Hinter den letzten rollenden Hügeln öffnet sich eine breite, grüne Fläche, in der sich der türkise Tolpursee wie eine amorphe Wasserpfütze ausbreitet. Windgeschützt zwischen ein paar Hügeln steht noch ein kleines Jurtencamp vom CBT, aber wir verkrümeln uns zwischen die seichten Grashügel am Seeufer und schlagen unser eigenes Reich zwischen Pferden und Yaks auf. Der Pik Lenin ist am Abend noch wolkenverhangen, doch der vordere Ausläufer genügt bereits, um uns zu beeindrucken. Die frische Luft deutet auf eine noch kältere Nacht auf 3500 Höhenmetern. Dank Funkantenne des benachbarten Basecamps – es ist doch wirklich Wahnsinn, wo es überall Internet heutzutage gibt! Kein Touristenort ohne – haben wir ab und an ein Fünkchen Internet und wissen: Regen kommt für den nächsten Tag, eine Besserung erst übermorgen. Wir sehen das gelassen, denn uns gefällt’s auch so.

Fantastischer Moment am Pik Lenin

Fantastischer Moment am Pik Lenin

Insgesamt verbringen wir hier zwei volle Tage. Den verregneten mit Schreiben, Bildbearbeitung und Reparatur der Standheizung. Den schöneren mit Wandern zum Pik Lenin. Was ursprünglich mal als Pferderitt gedacht war, erledigen wir nun doch zu Fuß. Irgendwie erschienen uns die 1000 Som pro Tag und Pferd etwas zu viel für eine geringe Sonnengarantie … und einen bereits halb angebrochenen Tag. Doch das alles macht nichts. Wir stapfen durch Schnee, tragen Pudelmütze und Handschuhe, das erste Mal seit Susdal im April diesen Jahres. Nach all der heißen, staubigen Luft tut die Frische des nahenden Winters saugut. Auch wenn ich nicht der Riesenfan bin, um auf steilen Berghängen zu wandern, die auch mal schnell in die Tiefe rutschen, sorgt Frau Sonne am frühen Nachmittag für eine spitzen Aussicht auf den Gipfel des schneeweißen Pik Lenin. Das können wir am Ende der Saison sogar alleine genießen, mit vielen Yaks und Pferden noch dazu.

Wintermorgen

Wintermorgen

Mit jedem Morgen gibt es mehr Schnee. Am dritten Tag sogar vor der Haustür! Die Landschaft ist wie verzaubert. Ein Märchen aus Weiß und das Ende August! Wir treffen zwei deutsche Frauen, die mit dem Pferd hierher geritten sind, die ganz begeistert schwärmen: “Es sieht schon fast so aus wie in den Highlands von Schottland.” Wir brechen nach Bishkek auf, als das Wetter schöner wird. Uns sitzt die Zeit etwas im Nacken, denn spätestens am 3. September wollen wir die Hauptstadt erreichen. Ehrlich, wir hassen Zeitdruck auf einer Reise, doch der Antrag für das chinesische Visum ist wichtiger. Trotz der wunderschönen Einsamkeit hier, freuen wir uns auf die wärmeren Regionen im Norden. Das ist seltsam, denn sonst reisen wir Europäer ja in den Süden, um Wärme zu tanken, jetzt ist es umgekehrt. Auf dem Rückweg nach Sary Mogol nehmen wir Aisha mit, die an ihrem Lehmhaus samt Schafstall auf eine Mitfahrgelegenheit ins Dorf wartet. Wir wissen, dass wir für die nächsten Stunden die Einzigen sein werden, die hier vorbei fahren. Nach einigem Zögern fahren wir zu ihrem Lehmhaus zurück und nehmen sie mit. Und wie sie sich freut! Doch nicht nur das, ihre Enkelin, zwei große Säcke voll selbstgebackenem Brot, zwei Tüten mit anderem Zeugs und eine Milchkanne müssen auch noch mit. Ach du Schreck. Wir verdrehen die Augen und grinsen uns beide an. War doch klar, dass nicht bloß eine kleine Omma mitfahren möchte. Also quetsche ich mich zusammen mit Brot und Milchkanne nach hinten, Aisha und Enkelin dürfen vorne auf meinem Platz sitzen. Das ist wohl sonst nicht so üblich. Immer wieder sieht Aisha zu mir nach hinten, ob denn auch alles in Ordnung sei, wir könnten ja auch wieder tauschen. Nein, das geht schon, sage ich ihr irgendwie, was sie trotzdem nicht glauben kann. Für den bequemen Sitz will sie uns am Ende auch noch bezahlen, doch wir lehnen dankend ab. Irgendwas muss sie uns aber geben, das geht doch nicht. Sie reicht uns eine Tüte voller selbstgebackenem Brot und fritiertem Teig. So, wie es mein Thomas mag.

ZUM TOKTOGUL STAUSEE

Auffahrrampen sind immer gern gesehen bei uns

Auffahrrampen sind immer gern gesehen bei uns

Die circa 800 Kilometer lange Strecke von Sary Mogol bis Bishkek ist durchweg asphaltiert. Auf den Pässen schlechter oder gar nicht, aber grundsätzlich in chinesischer Topqualität. Auf dem kleinen Markt in Özgön wollen wir schnell unsere leere Kühlbox mit frischem Obst und Gemüse aufstocken, doch das ist gar nicht so einfach. Es ist Sonntag und offensichtlich genießen alle Geldautomaten der Stadt ebenfalls das Wochenende. Nach sechs Anläufen und einer einstündigen Suche nach einem Geldautomaten, der auch Geld hat, halten wir endlich unsere ersten Soms wieder in der Hand. Manchmal sorgen die einfachsten Bedürfnisse für eine stündliche Verzögerung. Der Markt in dieser Stadt gefällt uns zum Einkaufen frischer Lebensmittel wesentlich besser,  als das unüberschaubare Labyrinth vom Bazaar in Osh. Es gibt sogar ein türkisches Backwarengeschäft direkt an der Hauptstraße, an dessen Baklava im Schaufenster wir natürlich nicht einfach so vorbeifahren können. Es wird ein wahrlicher Schlemmerabend auf unserem altbekannten Hügel zwischen Özgön und Jalal-Abad, auf dem wir schon auf unserer Fahrt nach Tadschikistan die Aussicht über die Dörfer im Tal genossen haben. Thomas meint, dass es sich komisch anfühlt, einen Teil der Strecke und den guten Schlafplatz bereits vorher zu kennen. Ja, erwidere ich, es ist auch das erste Mal auf der Reise, dass wir auf derselben Strecke zurückkehren. Die Landschaft ist dieselbe, die Uhrzeit auch, selbst der Wind scheint aus derselben Richtung zu kommen wie damals. Den wesentlichen Unterschied machen die unzähligen Viehherden, die jetzt zum Ende des Sommers von den hohen Bergen hinunter zu den tieferen, steppenartigen Weideflächen getrieben werden. Was vor einem Monat noch leer war, ist also nun voller Schafe und Rinder. Es ist wie im wilden Westen.

Fleischer in Özgön

Fleischer in Özgön

Ich gestehe, dass ich mich freue, wenn wir uns aus dem islamischen Kessel von Jalal-Abad, Özgön und Osh entfernen. Die Medien bei uns Zuhause haben mir den Teufel in weißem Gewand, mit langem Bart und islamischer Gebetsmütze in den Kopf gesetzt. Ich hätte es nie gedacht, doch fühle ich mich nicht wohl unter diesen Leuten, auch wenn ich mir wünsche, dass es anders wäre. Auch wenn Thomas das wenig stört, sind mir die kirgisischen Nomaden oder die “religionslosen Sowjets” wie Sasha viel lieber. Bei Sasha haben wir uns bereits angekündigt, nicht nur zum Bier trinken, sondern auch mit einer neuen Reparaturliste für Dima. Die Silent Blocks – oder Gummipuffer – der Blattfedern haben uns mal wieder eingeholt, der Schalter vom Rücklicht ist unten herausgerutscht, die Lenkung wackelt und zieht immer noch nach rechts, sowie ein paar weitere Kleinigkeiten. Im Grunde sind es fast alles Dinge, die wir schon einmal hatten, die aber stets als Evergreen wieder auftauchen. Allen voran die Luftbälge und die Blattfedern. Hätten wir erstere nie eingebaut, wie Dawaas uns in der Mongolei geraten hat, würden die Silent Blocks der Blattfedern nicht so oft durchscheuern. Mit fünf Blattfedern UND Luftbälgen scheint die gesamte Federung so steif sein, dass die Blattfedern ihren Zweck nicht erfüllen und bei jedem Schlagloch alles Gewicht auf die Gummipuffer der Aufhängung abgelagert wird. So lautet jedenfalls der vermutete Tathergang von Lisa und Darren, der in unseren Augen viel Sinn gemacht hat. Seit geraumer Zeit fahren wir deshalb mit abgelassenen Luftbälgen, die Federung läuft runder.

Campen am Reservoir

Campen am Kürp Say Reservoir

Es wird immer wärmer je näher wir Bishkek kommen. Am Kürp-Say Reservoir südlich von Kara-Köl stellen wir Takhi unter einem schattigen Bäumchen ab und genießen die Spitzentemperaturen von 28°C in einem lauen Lüftchen. Endlich einmal angenehmes Wetter! Der schlammige Boden des Reservoirs lockt uns zwar nicht mit einem Badeparadies, aber es ist ruhig, man kann in Seelenruhe essen, niemand macht Stress. Was wollen wir mehr? Auch einige Kirgisen zelten am Ufer, die in der späten Dämmerung auf einem rostigen Stahlfloß zum anderen Ufer hinüber fahren. Natürlich fragen wir uns, was eine Frau und drei Männer in der Dunkelheit am anderen Ufer so treiben. Das Geheimnis lüftet sich am nächsten Morgen, als das Meckern einer Ziege plötzlich verstummt. Da haben sich die Kirgisen eine Ziege für’s Frühstück vom Hirten am Nachbarufer geholt. Der Hirte kommt jetzt gerade noch rechtzeitig mit seinem Floß herüber, um sein Geld einzufordern, bevor die Damen und Herren sich davon machen.

Was für ein schönes Plätzchen ...

Was für ein schönes Plätzchen …

Bis zum Toktogul Stausee ist es von hier nicht mehr weit. Bloß 60 Kilometer bis zum östlichen Ufer, dem folgenden Tag sehen wir entspannt entgegen. Der Preisschock mitten auf dem Highway sitzt dann doch tief: 5 US Dollar sollen wir als Maut bezahlen, weil wir ein ausländisches Kennzeichen am Fahrzeug tragen. Da schnappen wir erst mal nach Luft und protestieren lautstark, schließlich bezahlen die Kirgisen lächerliche 45 Som (umgerechnet 0,65 Euro). Doch es nützt nichts. Die kirgisische Regierung hat beschlossen, für die gute Infrastruktur die Touristen aufkommen zu lassen, weil sie ja nur einmal und nie wieder dort vorbeifahren. Ganz schön gerissen! Doch der Ärger darüber ist schnell verflogen, als wir wieder so ein schönes, lauschiges Plätzchen am Wasser finden …  natürlich gammeln wir heute so richtig ab. Na, obwohl, der Chef wollte Takhi putzen, also putzen wir Takhi. Immerhin lohnt es sich heute richtig, denn so schnell werden wir keine Staubpisten mehr sehen. Bis zum Karakoram Highway in Pakistan ist alles asphaltiert. Die Sonne scheint, 28°C, kaum Wind – ein traumhafter Badetag. Es ist wohl der Letzte in diesem zentralasiatischen Sommer für uns.

NACH BISHKEK

Noch etwas mehr als 400 Kilometer sind es vom Toktogul Stausee bis nach Bishkek. Wir wollen im Suusamir Tal, 230 Kilometer vor Bishkek, übernachten, das auf etwa 3000 Höhenmetern liegt. Während der Fahrt haben wir guten Internetempfang. Wir buchen zwei Nächte im Tunduk Hostel in Bishkek. Die Landschaft verändert sich ab sofort dramatisch. Aus einer trockenen, hellbraunen Hügellandschaft werden schroffe Berge, auf dessen Hängen die ersten Fichten wachsen. Auf dem Weg zum Alabel Pass (3184 m) wird die Luft zunehmend kühler, wir sehen endlich wieder Jurten, rauschende Gebirgsbäche und Honigstände an der Hauptstraße. Mütterchen Russland lässt grüßen. Auf der gesamten Strecke sorgen die LKWs vom Theater Magdeburg, der Waffelfabrik Findeisen,  Maass Logistik Rostock und vielen anderen für excellente Unterhaltung. Sogar ein PKW zur “Unterstützung für Schwangere und Alleinerziehende” ist dabei. Na, ob das stimmt? Die Nacht auf der Hochebene des Suusamir Tals wird spürbar kälter als die anderen. Thomas verfeuert unser letztes Baikalholz. Erinnerungen an den Baikalsee steigen auf. Wie lange das schon her ist … obwohl nur etwas mehr als drei Monate, liegt Russland für uns eine halbe Ewigkeit zurück. Offenbar dehnt sich die Zeit mit jeder Landesgrenze gefühlt in die Vergangenheit aus. Aus zwei Wochen wird gefühlt ein Monat. Aus einem Monat werden zwei Monate und so weiter. Das ist schon sehr seltsam. Wir fragen uns, wie viel sich in dieser kurzen Zeit Zuhause verändert haben mag, während wir fast täglich neue Situationen bewältigen.

Für Bishkek kündigt sich am 3. September mächtiger Regen an. Die ersten Unwetter in Form von Gewitterwolken ziehen am Morgen über das Suusamir Tal hinweg. Die Berge um uns tragen schon die ersten Schneekappen. Wir liefern uns ein Wettrennen mit den Wolken, aus denen über uns die Blitze zucken. Mit den Kirgisen, die gerade eine Reifenpanne an ihrem LKW haben, möchten wir jetzt nicht tauschen. Die Straße windet sich den Töö Pass (3586 m) hinauf, der mittlerweile völlig eingeschneit ist. In unserer Frontscheibe eröffnet sich gerade ein ganz winterliches Bild. Als wir aus dem Tunnel des Passes in grelles Weiß hinausfahren, rückt sogar schon der kirgisische Streudienst aus. Das müssen wir den Australiern zeigen, denken wir!

Kirgisischer Streudienst

Kirgisischer Streudienst

Mit hereinbrechendem Winter in den Bergen, bringen wir selbstverständlich schlechtes Wetter nach Bishkek. Es gießt in Strömen. Alle fahren mit dem Auto. Alle Straßen sind verstopft. Überall herrscht blankes Verkehrschaos. Ein idealer Tag also, um sich dem chaotischen Treiben auf dem Osh Bazaar am westlichen Standrand von Bishkek zu widmen. Thomas hält eine lange Liste in seinen Händen: Werkzeug für Thomas, Gardinengleiter, Schachspiel, Tee-Ei, Plastikteller, Thermoskanne, vielleicht Souvenirs und jemanden, der unsere Messer schleifen kann. Wir haben definitiv zu viele Wünsche auf einmal, doch in fünf Stunden finden wir zumindest das gewünschte Werkzeug “Made in USSR”, Tee- Ei, Thermoskanne, den Messerschleifer und ein paar hübsche kirgisische Filzmatten für den Popo. Doch wir kaufen immer zuerst Dinge, die nicht auf der Liste stehen: Kasachische Pferdewurst, frischen Kefir in einer Colaflasche (ja, auch daran trauen wir uns!), Ziegenkäse und ein saftiges Yak-Steak für das Wochenende.

Nach 2 Monaten Weißbrot sieht es leckerer aus als es ist

Nach 2 Monaten Weißbrot sieht es leckerer aus als es ist

18:00 Uhr bewegen wir uns quer durch die Stadt in Richtung Tunduk Hostel. Egal, welches Ziel man auch in Bishkek mit dem eigenen Auto hat, am Ende ist man heil froh, wenn man tatsächlich dort angekommen ist. Nicht, weil das Ziel erreicht, sondern weil das Auto heil geblieben ist. Der Verkehr ist einfach grauenhaft. Wer den Kirgisen das Fahren beigebracht, den möchte Thomas mal kennenlernen und was husten. Zumindest sagt er das ständig. Die Erwartungen an das Tunduk Hostel sind anhand der vielen guten Bewertungen im Internet entsprechend hoch. Doch bereits mit einem Fuß über der Türschwelle spüren wir eine eigenartige Atmosphäre in dieser Unterkunft, in der wir uns beide gar nicht wohl fühlen. Wir müssen zwei Stunden warten, bis der Hausherr aus seinem Schönheitsschlaf erwacht und sich bequemt, uns das Zimmer zu zeigen, das wir gebucht haben. Hier treffen wir am späten Abend die Holländer wieder, die wir in Tadschikistan mit Darren und Lisa kennengelernt haben. Die beiden durften einen ganzen Tag auf ihr Zimmer warten mit der Aussicht “Vielleicht haben wir ein Zimmer, vielleicht aber auch nicht”. Als ich in einem Haufen abrasierter Haare von irgendwem dusche, beschließe ich, dass das genug Tunduk Hostel für mich sei und wir am nächsten Morgen in das bewährte USSR Hostel wechseln, wenn auch nur für eine Nacht. Der Preis ist fast der gleiche, zwar kein Frühstück inklusive, doch dafür mit sauberem Bad ganz ohne Schamhaare.

1 Kommentar

  1. Robert

    Hallo ihr zwei.
    So jetzt hab ich endlich geschafft euch einzuholen 🙂
    Nocheinmal ein grosses lob. Euer bericht ist so toll und spannend geschrieben das es meine abend lektüre war und mich ins träumen von einem neuen trip bringt. Kann es nicht erwarten wie es weitergeht. Also viel spass und geniesst die zeit. Dann hoffentlich bis bald 🙂

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