7.0 GRENZGESCHICHTEN

BATKEN – ISFARA oder KIRGISTAN – TADSCHIKISTAN

Der Grenzübergang Batken – Isfara auf kirgisischer Seite war ein Leichtes. Die Grenzbeamten sind allesamt gut gelaunt, als sie unser Auto sehen und sie einen groben Blick hineinwerfen. Von den fünf Männern, die um uns herum stehen, spricht einer wenige Worte Deutsch. Soldat sei er gewesen, zwei Jahre lang in Deutschland, Dresden, Cottbus und so weiter. Eine gute Zeit, zumindest geht der Daumen hoch mit wohlwollendem Nicken und Goldzahngrinsen. Würden wir uns endlich mal besser um unseren russischen Wortschatz bemühen, könnte aus einer Fahrzeugkontrolle eine Plauderstunde über die gute alte Zeit in der DDR werden. Da wir aber immer noch nichts können, wird uns der Zettel der kirgisischen Zolldeklaration abgenommen und uns der Weg zur Passkontrolle gezeigt. Zwei Ausreisestempel folgen laut pochend in die Pässe und damit ein “Auf Wiedersehen Kirgistan!” Das “Rotel” – das rollende Hotel – steht ebenfalls an der Fahrzeugkontrolle. Diesen roten, großen Reisebus, der als fahrendes Hotel mit mehreren Schlafkabinen umfunktioniert wurde, haben wir bereits vor fünf Jahren zum ersten Mal in Tasmanien gesehen, und vor zwei Monaten in Ölgiy in der Mongolei. Dieser hier kommt gerade von einer Abenteuerreise aus Nepal über den Karakoram Highway in Pakistan und nun nach Zentralasien. Dem Reiseleiter gefällt unser kleines, kompaktes Wildpferd. Bei dem nicht zu übersehenden Größenvergleich müssen wir alle lachen.

Tadschikistan zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Das spüren wir bereits an den schäbigen und zu verfallen drohenden Hütten, in denen die tadschikischen Grenzbeamten arbeiten und schlafen müssen. Die erste auf der rechten Seite dient der Passkontrolle. In aller Seelenruhe kommt der Beamte zu uns, nimmt die Pässe entgegen und gibt diese an seinen Kollegen weiter, der die Stempelei übernehmen soll. Währenddessen will er einen Blick ins Auto werfen und stellt fest: “Aaah, Tourist?” Ja, was denn sonst? Er verklickert uns, dass er Geld aus aller Welt sammelt und fragt uns nach einer Deutschmark für seine Münzsammlung. Wir dagegen versuchen ihm zu verklickern, dass die Deutschmark schon seit 14 Jahren abgeschafft  wurde und wir deshalb zufällig keine dabei haben. “Aber für meine Kollektion … “, beharrt er weiterhin. Ich versuche es mit einem mongolischen 100 Tugrik-Schein, die haben wir schließlich im Überfluss. Nein, meint er kopfschüttelnd, den hat er schon. Oh je. Wir schauen im grünen Geldbeutelchen nach, in dem wir alle künftigen und gewesenen Restwährungen aufbewahren. Thomas kramt eine 50 Eurocent-Münze hervor mit Berliner Tor auf der Kopfseite. Er hält sie ihm hin und erklärt, das der Euro jetzt die “neue” Währung in Deutschland ist. “Hier guck mal, das Berliner Tor. Deutschland.” Das versteht er und nimmt die 50 Cent dankend an. Jetzt bekommen wir auch endlich die Pässe zurück. Wenn das kein Zufall ist.

Eine Baracke weiter links ist die Quarantänestation. Die Reifen sollen desinfiziert werden. Anstelle eines Desinfektionsbades wird hier noch per Handsprühgerät gearbeitet. Das amtliche Dokument, das wir dafür erhalten, soll 300 Som kosten. Verhandeln bringt rein gar nichts, der Preis steht. Das Papier sieht sehr offiziell aus, aber ob in dem Desinfektionsbehälter auch die richtige Flüssigkeit enthalten ist, wagen wir zu bezweifeln. Es schäumt jedenfalls so schön und riecht eher wie Spülmittel, das da halbherzig auf die Felgen (!), aber nicht auf die Reifen gesprüht wurde. Wir schauen den Beamten ungläubig an. Der lacht verlegen und zuckt mit den Schultern.

Das dritte Häuschen, jetzt wieder rechts, muss die Zolldeklaration sein, denn die fehlt noch. Zwei Männern stehen und warten schon darin, Thomas soll sich auf die alte Sitzbank setzen. Das kann dauern. Ich warte im Auto. Nach 20 Minuten kommt Thomas genervt aus der Hütte raus. “45 US Dollar will der Typ von uns haben und ich weiß gar nicht wofür. Hast du mal was davon gelesen??” Für eine Zolldeklaration oder Ländersteuer ist das aber ganz schön viel, denke ich. Ich schaue auf meine Blätter, auf die ich irgendwann einmal für jede Grenze notiert habe, was benötigt wird. In Bleistiftschrift habe ich zusätzlich bei Tadschikistan geschrieben: „Fahrererlaubnis 15 Tage, 50 US$”. Ach so? Als ich das Thomas erzähle, sagt er entschlossen: “Wir fragen mal unseren netten Beamten von da vorne. Der scheint hier das Sagen zu haben.” Damit meint er den Beamten von der Passkontrolle, dessen Freundlichkeit wir uns gerade mit 50 Cent erkauft haben. Der gibt auch gleich Auskunft, zwar in sehr gebrochenem Englisch, aber schließlich doch unmissverständlich: “Fürs Fahren. 25 Dollar. Ja, natürlich. Nicht Zolldeklaration. Tourist! Nur Fahrerlaubnis.” Ist er sich auch ganz sicher? Wir tun so, als hätten wir nicht ganz verstanden. Er wiederholt alles dreimal in genau derselben Wortreihenfolge und telefoniert zwischendurch nochmal mit seinem Kollegen, der uns eigentlich 45 Dollar abschwatzen wollte. Nein, es sind hundertprozentig 25 Dollar für 15 Tage Fahrerlaubnis. Besten Dank, die 50 Cent Auskunftsgebühr haben sich gelohnt.

Wir fahren zurück zur Zollbaracke, bezahlen anstandslos 25 Dollar, bekommen einen Wisch ausgedruckt, auf dem steht, dass wir jetzt 15 Tage durch Tadschikistan fahren dürfen. Rumms. Das war’s. Nach meiner Notiz zu urteilen, scheinen alle Ausländer vor uns den “Touristenpreis” gezahlt haben. Keine Ungewöhnlichkeit in den ärmsten Ländern dieser Erde.

Nach knapp zwei Stunden heißt es am 13. August: Welcome to Tajikistan!

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