0.1 NEUES ALTES ZUHAUSE

Gemeinsam mit Sturmtief Niklas rauschten wir am 29. März 2015 nach Rostock. Wo wir in Hamburg nun eine leere Wohnung hinterließen und der künftige Tischlermeister als Nachfolger schon eifrig die Zimmer ausmaß, füllten wir ein anderes Zimmer in einem Industriegebiet in Rostock mit unseren paar Möbeln. „Ach was, das ist ja nicht viel!“, haben wir immer stolz unseren Freunden und Eltern erzählt, wenn es um den Umzug unserer Sachen ging. „Wir brauchen nur einen normalen Sprinter. Alles müsste in 1-2 Stunden durch sein.“ Ja, ja, so die Theorie und das Schöngerede. Die Laune musste schließlich bei allen Beteilgten hochgehalten werden. Am Ende war’s ganz schön knapp. Gott sei Dank hatte Thomas‘ Vater schon die Räder und Reiseunterlagen auf und in sein Auto geladen und war bereits unterwegs. Dank der vielen helfenden Hände schlossen sich dann auch die Türen des bis zur Decke randvoll gefüllten Sprinters gegen 13 Uhr. Noch ein bisschen Geschnatter mit Vermieter, Malern und Nachmieter – 13.30 Uhr hieß es: „In Haaamburg sagt man tschüüühüüsss…“

Im Konvoi aus Sprinter und der bisher noch nicht umbenannten Raupe absolvierten wir die erste Etappe gen Osten! 250km in drei Stunden Fahrt im Regen bis nach Rostock. Niklas plusterte sich schon auf. Am frühen Abend gegen 18:30 Uhr war der Spuk namens Umzug endgültig vorbei. Lieben Dank, liebe Freunde! Was hätten wir ohne euch bloß gemacht?

Nun sind wir hier im Norden, arbeitslos, nächtigen im Hotel Mutti (oder Schwiegermutti) und haben SO VIEL Zeit.

Nein, mal im Ernst. Die Zeit sitzt uns eisern im Nacken! Nächste Woche soll eigentlich unsere Reise beginnen, aber der Dachgepäckträger fehlt noch – oh je! Das ist hauptsächlich Thomas Aufgabe. Monatelang hat er recheriert, überlegt, daran gezeichnet,  mit mir und anderen im 4×4 Travel Forum immer wieder abgestimmt. Nachdem Sturmtief Niklas binnen drei Tagen endlich abgezischt war, konnten wir den Rohbau des Dachgepäckträgers angehen. Das haben wir bei AKC Cutting in Rostock machen lassen und durften sogar zugucken! Alu-Tränenblech zuschneiden lassen, kanten lassen und provisorisch auf die neuen, alten Dachträger schnallen und damit nach Hause fahren – fertig. Na ja … mehr oder weniger. Thomas‘ Vater hat sich beim Anblick des Gerödels aus Schrauben, Bohrern und einer Vielfalt aus anderen Werkzeugen auf der Terrasse sichtlich gefreut!

Während Thomas sich mit der Mütze vom Nimmersatt beschäftigt, kümmere ich mich um die Kosmetik mit dem obligatorischen Programm Wischen, Fegen, Kleben. Dadurch liegt die Reiseplanung erstmal auf Eis. Ich wünsche mir schon, dass zumindest ich weiß, wohin es uns in Russland verschlagen könnte. Immerhin ist es das größte Land, das wir in sehr naher Zukunft durchqueren werden. Außer vom großen Baikalsee haben wir wenig Vorstellungen, was uns dort erwarten könnte – vor allem als Analphabeten.
Stattdessen weiß ich haargenau, wann und wo und wie lange wir in China sein werden. Was wir dort machen, wie lange wir fahren, mit wem wir reisen werden und wie viel die Tour in etwa kosten wird, steht schon so gut wie fest. Dabei liegt China noch ein halbes Jahr vor uns! Es ist ein seltsames Gefühl den mittleren Teil der Reise so genau zu planen, ohne zu wissen, was man in den ersten Monaten eigentlich sehen möchte.

Immerhin haben wir fast alle Visen zusammen.

Für Russland haben wir ein Geschäftsvisum über 3 Monate und doppelter Ein- und Ausreise.
Für die Mongolei benötigen nichts.
Für Kasachstan kommen wir bis zum 15. Juli 2015 visumsfrei für 14 Tage ins Land. Das reicht uns auch!
Für Kirgistan benötigen wir auch kein Visum.
Für Tadschikistan haben wir ein Touristvisum über 30 Tage. Das war das allererste in unseren Pässen!
Für China benötigen wir noch ein Touristvisum. Das besorgen wir uns aber unterwegs 3 Monate vorher.
Für Pakistan haben wir endlich auch ein Touristvisum.
Und auf das indische Visum warten wir noch.

Leider bekommen wir für Indien kein Touristvisum über 12 Monate, da wir zuvor noch nie in Indien gewesen sind, so die Begründung der Botschaft. Deshalb müssen wir uns mit einem 6-monatigen Visum begnügen. Da das indische Visum aber ab dem Ausstellungsdatum sofort gültig ist, nützt uns ein 6-monatiges Visum herzlich wenig. In 6 Monaten dürften wir gerade so das Pamirgebirge bei China und Pakistan überqueren. Indien liegt da noch in weiter Ferne. Also befinden sich jetzt unsere zweiten Pässe – jeder von uns besitzt 2 Reisepässe – bei unserer Visaagentur, die diese erst Anfang Mai zur indischen Botschaft bringt, um das Ausstellungsdatum möglichst weit hinauszuzögern. Anschließend wird die Visaagentur die Pässe an unseren Freund Matze in Kiel senden, der uns im Juni in der Mongolei besuchen und uns die Pässe mitbringen wird. Ja, das klappt schon. Wir sind da guter Dinge! Was bleibt uns auch anderes übrig?

Nun ruft mich der Thomas wieder zur Arbeit: Ich soll die Dachbox reinigen und Gummis erneuern. Die kommt übrigens auf den neuen Dachgepäckträger. Unterdessen baut Thomas unsere mühselig erstandenen Benzikanisterhalterungen vom Dach ab. Drei Tage hat er überlegt, wie wir die Dinger auf das Dach schrauben. Jetzt kommen sie wieder ab. Zu schwer, zu klobig und eigentlich kein Platz. So geht das ständig. Seit Monaten ein einziges hin und her: recherchieren, kaufen, anbauen, behalten oder abbauen und zurücksenden oder wieder verkaufen. Gott sei Dank gibt es am Ende nur noch eine Richtung: ostwärts geradeaus!

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