1.2 IM OSTEN DER EU II

Polen wollen wir bald hinter uns lassen. Wir stellen aber schnell fest, dass es ein großes Land ist. Es dauert. Ich lerne, dass sich jedes Dorf in Polen einen Storch hält. Manchmal steht ein Storchennest sogar nur an einem einzelnen Haus. Ich hätte auch gerne so einen Storch, denke ich mir! Dann weiß ich, dass der Frühling doch nun bald da ist. Wir sehen viele Störche auf den Feldern, Kraniche und Rehe noch dazu. Eine Augenweide ist das!
Wir fahren durch die Masuren. Es soll eine wunderschöne Gegend sein, ähnlich der Mecklenburger Seenplatte, aber das Wetter ist wenig einladend zum Spazieren und Baden. Es stürmt elendig und bald verhängen graue Wolken die letzten Sonnenstrahlen. Auf einem Feld bei Mikolaiki finden wir einen Platz zum Schlafen. Es wird eine der kältesten Nächte, denn der Wind kühlt uns und das Innere des Autos restlos aus. Es gibt öfter Tee als Essen. Leider müssen wir sehr lange auf heißen Tee warten, denn mit dem Benzinkocher sind wir noch nicht ganz warm geworden. Mal rußt er, mal will er nicht angehen, mal leckt er und so weiter. Das macht defintiv keinen Spaß. Eine richtige Zicke ist er! Thomas müffelt anschließend nach Benzin.

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Eine Übernachtung in Litauen und eine Übernachtung in Lettland – wir lassen beide Länder an uns vorübergleiten. Wir sind erstaunt, wie es hier so aussieht, denn eine Vorstellung davon hatten wir nicht. Aber auch nicht so eine. Das Land ist jetzt grau und braun, weil der Frühling auf sich warten lässt. Nadel- und Birkenwälder wechseln sich ab. Darin Holzhäuser, die schief im Wind stehen. In den Städten gibt es Plattenbauten von der häßlichsten Sorte. Die Straßen werden schlechter. Wir trauen unseren Augen kaum. Russland hat uns zu früh eingeholt, aber nein, wir sind noch in der EU!DSC_5710_blog

In Ludza, kurz vor der russischen Grenze machen wir Halt und spazieren. Es ist die älteste Stadt von Lettland mit einer 650 Jahre alten Burgruine, die deutsche Kreuzritter vor langer Zeit errichtet haben. Sie tront auf einem hohen Hügel, der die Stadt und die umliegenden Seen überblickt. In Ludza kauften wir eine letztes Mal in der EU ein. Dafür zum ersten Mal russische und lettische Bonbons und lettisches Bier. In dem hiesigen Supermarkt fanden wir sogar Getreide von Schneekoppe und Diätkekse aus Spanien! Jetzt können wir die elendig langen Kolonnen LKWs auf unseren Straßen verstehen.

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Übernachtet haben wir an einem See in der Nähe eines noch nicht geöffneten Campingplatzes. Es ist noch keine Saison hier oben. Verständlich bei den Temperaturen! Alles wirkt noch wie im Winterschlaf. Trotzdem scheint endlich mal die Sonne zum Abendbrot. Das ist herrlich! Ich kann mich draußen zum ersten Mal waschen. Die Hände frieren nicht gleich ein. Thomas zerlegt derweil in Ruhe den Kocher, um die Ursache des Benzinleckens zu ergründen. Wir hätten sogar beinahe draußen gegessen. Aber es ist zu spät. Schon geht die Sonne unter und es wurde erneut kalt. Wir haben die Zeitumstellung vergessen! Tagelang gen Osten gefahren und nun ist es auch noch zwei Stunden später als üblich – so ein Mist!

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3 Kommentare

  1. cathfrosch

    Danke fuer die Updates! Sonne habe ich auch nicht aber Waerme kann ich euch schicken, und Regen 😉 Gute Fahrt!

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    1. Sarah und Thomas (Beitrag Autor)

      Also, Wärme wäre schon mal was. Wir haben immer noch lausige 8°C und sogar Schneematsch liegt hier rum. Es stellt uns Warmduscher wirklich auf eine harte Probe!

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  2. Kay

    Hallo Sarah,

    es gibt für Männer in der Fernfahrer- (und teilweise auch Schrauberszene)
    doch nur Parfum in drei Grundnuancen, Benzin, Diesel und Ohne (für die Gas oder Garnichtkocher).

    Da hast Du Dir mit dem Benzinthomas schon eine weniger herbe Note ausgesucht, also schimpf nicht zu sehr.

    mit Grinsegrüßen von Kay, welcher seine DDR- und Wehrmachtsbenzinkocher aus der Camping- in die Antiquitätenkellerecke umgeräumt hat

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